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Kaarst: "Kaarster Küche fehlt Vielfalt"

Kaarst : "Kaarster Küche fehlt Vielfalt"

Das Restaurant "Mediterran" im Alten Dorf wurde vor kurzem neu eröffnet, fast zeitgleich schloss das "Patati Patata". Neben den etablierten Gaststätten herrscht in der Kaarster Gastronomiebranche eine enorme Fluktuation.

Vor wenigen Wochen haben Myriam Gregori und Blagoje Djordjevic das Restaurant "Mediterran" im Alten Dorf eröffnet. Damit ist das wegen seiner runden Fenster als "Bullauge" bekannte Lokal nach einigen Monaten wieder eröffnet. Fast zeitgleich schloss das "Patati Patata" an der Ecke Neusser Straße. Neben den etablierten Gaststätten herrscht in Kaarst eine enorme Fluktuation in der Branche.

Wirtschaftsförderer Dieter Güsgen erfuhr erst auf NGZ-Anfrage von der neuen Bewirtung im Alten Dorf, und erkennt darin bereits einen Grund für das Problem in der örtlichen Gastronomieszene. "Häufig geht ein neuer Wirt rein und keiner bekommt es mit", sagt Güsgen. Gerne würde er als Werbemaßnahme eine Gourmetmeile bei Kaarst Total etablieren, er findet aber keine Teilnehmer. "Die beste Werbung ist die Mundpropaganda. Dafür braucht man aber einen langen Atem", so der Wirtschaftsförderer.

Die neuen Wirte im "Mediterran" haben bewusst in den ersten Wochen auf Werbung verzichtet. Man wollte das Team erst einmal einspielen, sagen sie. Das Restaurant bietet italienische, französische und spanische Küche. "Wir haben in Kaarst geschaut, was fehlt und denken, dass wir mit unserem Angebot eine Marktlücke schließen", sagt Blagoje Djordjevic.

Ein Jahr Zeit geben sich die Gastwirte, um ihr Lokal aufzubauen. Ihr Vermieter Hans-Willi Wesemüller hat in dem Paar die Pächter gefunden, die er sucht. "Ein Restaurant funktioniert am besten als Familienbetrieb, wenn es ein Paar übernimmt. Einer arbeitet in der Küche, der andere im Service", so Wesemüller.

Ein weiterer Misserfolgsfaktor ist die Unterschätzung der Aufgabe. Kellner erfüllen sich gerne den Traum vom eigenen Lokal, ohne es professionell anzugehen. "Ein Businessplan muss aufgestellt werden. Wir bieten regelmäßig Existenzgründerseminare an und man kann uns immer ansprechen", sagt Dieter Güsgen. Hohe Mietkosten seien nicht die eigentliche Schwierigkeit.

"Es ist durchaus üblich, für die ersten fünf Jahre einen Pachtvertrag mit einer Fixsumme und einem umsatzabhängigen Anteil abzuschließen. Damit wird das Risiko für den Betreiber kleiner", weiß der Wirtschaftsförderer.

Als positives Beispiel nennt er das "Raja's" in Vorst, das sich aus einer Trinkhalle zu einem Restaurant gewandelt hat. Die Vielfalt der Kaarster Küche sieht Dieter Güsgen ausbaufähig: "Kaarst kann das ein oder andere gute Speiselokal noch gebrauchen", sagt er. "Auch eine gehobene Küche wie im Liedberger Landgasthaus ist möglich. Wir haben in der Stadt eine große Kaufkraft."

(NGZ/rl)