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Kaarst: Kaarster kritisieren den Flughafen-Chef

Kaarst : Kaarster kritisieren den Flughafen-Chef

Der Düsseldorfer Flughafen will seine Flugbewegungen erhöhen. Insgesamt soll es in acht betroffenen Städten Informationsveranstaltungen geben. Die Auftaktveranstaltung fand am Donnerstagabend im Bebop statt.

Der Düsseldorf Airport strebt flexiblere Nutzungszeiten seines Start- und Landebahnsystems an: So sollen in Spitzenzeiten künftig bis zu 60 statt bislang 47 Flugbewegungen pro Stunde möglich sein. Thomas Schnalke, Geschäftsführer der Flughafen Düsseldorf GmbH, wirbt für diese Pläne. Insgesamt wird es in acht vom Düsseldorfer Flughafen betroffenen Städten Informationsveranstaltungen geben. Die Auftaktveranstaltung fand am Donnerstagabend im Bebop statt. Rund 130 Menschen hörten sich erst an, was der Flughafenchef ihnen zu sagen hatte und brachten dann mehr oder weniger unverblümt Wut und Enttäuschung zum Ausdruck.

 Die heftige Kritik der Kaarster – auch Bürgermeister Franz-Josef Moormann war gekommen – ließ Flughafen-Chef Thomas Schnalke (oben) kalt.
Die heftige Kritik der Kaarster – auch Bürgermeister Franz-Josef Moormann war gekommen – ließ Flughafen-Chef Thomas Schnalke (oben) kalt. Foto: lber

Die Kaarster befürchten noch mehr Fluglärm. Moderator Sven Preger hatte keinen ganz leichten Job und Thomas Schnalke sowieso nicht. Er hatte in seiner rund 15-minütigen Präsentation zum Ausdruck gebracht, dass der Flughafen wichtig für die Wirtschaft in der Region sei. Für den "Flughafen mit Drehkreuz-Funktion", der 19 500 Arbeitsplätze biete, seien mehr Slots unverzichtbar, sagte er. Die Nutzung der Nordbahn müsse flexibler möglich sein: "Zurzeit müssen wir zusätzliche Starts und Landungen eine Woche vorher anmelden, das ist sehr, sehr schwierig", so der Flughafenmanager. Schnalke geht davon aus, dass eine Genehmigung des noch zu stellenden Antrags die Zahl der Slots von jetzt 252 000 auf 256 000 erhöhen würde. Theoretisch sei eine Erhöhung bis auf 318 000 Slots möglich, sagte er.

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Applaus erntete Bürgermeister Franz-Josef Moormann: "Wir bitten den Flughafen, von seinen Änderungsabsichten Abstand zu nehmen", erklärte Moormann und wies auf einen entsprechenden einstimmigen Stadtratsbeschluss vom 19. September hin. Und er fügte hinzu: "Wir fühlen uns in der Nachbarschaft des Flughafens nicht gut aufgehoben." Vor allem während der Sommermonate sei die Lärmbelastung enorm. Das bestätigten die Bürger umgehend und zum Teil lautstark. "Sie nehmen den Städten die Luft zum Atmen", klagte Flughafen-Aktivist Dieter Dewenter und wies auf die hohe Stickoxid-Belastung hin. Kritisiert wurden immer wieder die Flugrouten, die Kaarst mehr als andere Städte belasteten. Thomas Schnalke erklärte, dafür sei die Deutsche Flugsicherung zuständig. "Es gibt hier Fluglärm und trotzdem ist Kaarst eine schöne Stadt, in der ich gerne lebe", sagte ein Bürger und zugleich Flughafen-Mitarbeiter.

Ratsherr Bodo Korzeniewsky (CDU) redete nach gut zweistündiger Veranstaltung Klartext und dürfte damit vielen Anwesenden aus dem Herzen gesprochen haben: "Sie sind mit völlig leeren Händen nach Kaarst gekommen. Was können Sie für Kaarst tun? Sie haben keinerlei Vorschläge, zeigen keine Kompromissbereitschaft, nichts." Dafür machten die Bürger Vorschläge wie diesen: Warum nicht auf innerdeutsche Verbindungen verzichten und diese Kapazitäten durch Fernflüge nutzen? Eine Frau bot Schnalke an, im Sommer mal abends auf ihrer Terrasse ein Bier zu trinken. "Das ist keine echte Bürgerbeteiligung", bemerkte eine andere Bürgerin. Die Begründung: "Es mangelt an Alternativen."

Insgesamt war die Unzufriedenheit groß. Ein Entgegenkommen der Flughafen Düsseldorf GmbH ist nicht in Sicht. Schnalke sprach von einem Abwägungsprozess. Es gebe eine Nachfrage, die noch über die zu beantragenden 60 Slots in Spitzenzeiten pro Stunde hinausgehe.

(barni)