Kaarst: Willi Rauschenberg kümmert sich als Job-Pate um vier Syrer

Ehrenamtliches Engagement in Kaarst : Ein Job-Pate für vier syrische Brüder

Seit Januar 2016 kümmert sich Willi Rauschenberg um vier Brüder aus Syrien. Die sind mittlerweile 18, 21, 24 und 30 Jahre alt, sprechen gut Deutsch und haben einen Job oder machen eine Ausbildung.

Willi Rauschenberg sitzt in den Räumen des Ökumenischen Arbeitskreises Asyl im Gemeindezentrum der evangelischen Auferstehungskirche und hat soeben Hilfesuchende beraten. Der 70 Jahre alte frühere Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens erzählt von einem weiteren ehrenamtlichen Engagement, dem des Job-Paten. Offizielle Beschreibung: Projekt zur beruflichen Eingliederung von geflüchteten Menschen, im Dezember 2016 von der Caritas ins Leben gerufen.

Rauschenberg betreut bereits seit Januar 2016 vier syrische Brüder zwischen (aktuell) 18 und 30 Jahren. Seine Tätigkeit als Job-Pate beschreibt er so: „Ich bin quasi ein Türöffner!“ Und diese Türen konnte er für die Brüder weit aufstoßen: Der 18-jährige arbeitet in seinem ersten Ausbildungsjahr bei einem Nobelfriseur in Düsseldorf. Alles klappe gut, zu Beginn, erzählt Rauschenberg, habe er noch bei der Bewältigung der Textaufgaben in Mathematik und Chemie geholfen.

Der 21 Jahre alte Bruder führe eine einfache Tätigkeit im Lager einer Spedition im Hafen aus und erfreue sich großer Anerkennung im Betrieb. Und der 24-Jährige sei in einem Barber‘s Shop in Düsseldorf tätig und habe nach mehreren Praktika das Handwerk exzellent erlernt. Der Älteste der Brüder schließlich koche in einem Restaurant, ebenfalls in Düsseldorf. Es sei eigentlich gar nicht schwer gewesen, den jungen Männern zunächst Praktika zu vermitteln.

Auf Bewerbungsgespräche habe er sie vorbereitet, sei aber nicht mitgegangen, berichtet er. Später war es für die jungen Asylanten schwierig, Durchhaltevermögen zu zeigen, und die deutsche Sprache auf relativ hohem Niveau zu sprechen und zu verstehen. „Denn sie ist die entscheidende Voraussetzung für gelungene Integration“, sagt Willi Rauschenberg. Außerdem musste er an Arbeitsmoral und Pünktlichkeit der jungen Männer appellieren. Da kamen denn kulturelle Unterschiede zum Tragen: „Arbeitsbeginn neun Uhr heißt nicht, eventuell um zwanzig nach neun zu erscheinen“, erzählt der 70-jährige. Da brauchte es zum Teil sowohl bei den Migranten als auch bei Rauschenberg einen langen Atem, um alles durchzuhalten. Aber der Erfolg kann sich sehen lassen.

Stolz zeigt Rauschenberg Bilder der Brüder auf seinem Handy, die die „tolle Entwicklung“ demonstrieren: Sie fühlen sich integriert und „richtig deutsch“ (Rauschenberg). Sie haben gelernt, dass fleißige Arbeit gut bezahlt wird, dass man Geld sparen und sich somit auch einen Urlaub auf Mallorca leisten kann (den einer demnächst antritt). Alle sind stolz auf ihre Unabhängigkeit vom Jobcenter. Ohne Arbeit seien sie sehr anfällig für negative Einflüsse gewesen, meint Rauschenberg. Derzeit begleitet er die jungen Männer noch fünf Stunden wöchentlich und unterstützt sie bei ganz alltäglichen Dingen. Denn irgendwie fühlt er sich für sie immer noch ein wenig verantwortlich.

Willi Rauschenberg freut sich sichtlich über das Erreichte. Die Frage, ob er inzwischen eine Art „Onkelstatus“ innehat, bejaht er lächelnd.

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