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Kaarst: Wilhelm Stelter war Schach-König der Kaarster Schulen

Wilhelm Stelter im Portrait : Der Schach-König der Kaarster Schulen

Wilhelm Stelter hat in seiner elfjährigen Tätigkeit als ehrenamtlicher Schachlehrer des Albert-Einstein-Gymnasiums. 35 Goldmedaillen gesammelt. Nicht ohne Groll verlief sein Abgang vom Schachbrett: Ihm fehlte die Anerkennung.

„Ich bin der erfolgreichste Schulschachlehrer aller Zeiten“ sagt Wilhelm Stelter selbstbewusst. In der Tat können sich die gewonnenen Titel während seines elfjährigen ehrenamtlichen Engagements sehen lassen: 35 Goldmedaillen erreichten die von ihm unterrichteten Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums bei Schulschachmeisterschaften des Rhein-Kreis-Neuss. Die Grundschule in Neuss-Grefrath, die Matthias-Claudius-Schule und die Grundschule Stakerseite (beide in Kaarst) gewannen elf Mal die Kreismeisterschaften. „Hinzu kamen Einzelsieger“, erinnert sich Wilhelm Stelter an frühere Zeiten. Er beherrschte über Jahre hinweg die komplette Schulschachszene: „Andere Schachlehrer haben mich gehasst“, meint er mit Schmunzeln.

Die Vorteile des Schachspielens liegen für Wilhelm Stelter auf der Hand respektive in den Fingern: Es sei eine „mega sinnvolle Freizeitbeschäftigung“, die jeder ausüben könne, da es keine „Schweißsportart“ sei. Die Kinder entwickelten durch das Schachspielen ganz eindeutig mehr Selbstbewusstsein. Denn sie müssten ständig und zum Teil auch innerhalb kurzer Zeit – nach zwei Monaten Üben wird mit Uhr gespielt – am Brett Entscheidungen treffen: Welchen Zug mache ich als nächsten? Und welchen hat der Gegner vor? Geübt wird so die Lösung komplexer Aufgaben in vorgegebenen Zeiteinheiten. Aber Schach fördert auch Kameradschaft und Integration. Und die Kinder müssen ihre Entscheidungen ohne Eltern treffen – für viele oft eine ganz neue Situation. Der gegenseitige Respekt ist ebenfalls wichtig: „Ich achte immer darauf, dass sich die Kinder zu Beginn und am Ende des Spiels die Hand geben“, erklärt der 64-jährige. Das gehöre zur Schachkultur einfach dazu. Jeder will siegen – aber jeder muss auch verlieren lernen können. Das Erlernen von Selbst- und Fremdeinschätzung und die bessere Konzentration bestätigten Wilhelm Stelter auch die Eltern: Die Kinder sind eher in der Lage, an einer Sache dranzubleiben und sich zu fokussieren. 2016 beendete der Schachflüsterer von Kaarst seine Tätigkeit an Schulen. Ein bisschen im Zorn, denn er fühlte sich und sein Fach nicht richtig anerkannt und gewürdigt. Er habe den Respekt seitens der Schulleitungen nicht so gespürt, meint Wilhelm Stelter. Geringe monetäre Entlohnung habe er als „peinlich“ empfunden. Doch fest verankert bleibt er im Gedächtnis seiner Schüler.

Erlernt hatte Wilhelm Stelter das Schachspiel bei seinem Vater. Später nahm er am Wettkampfschach teil. Nach Diagnostizierung einer Augenkrankheit wurde der damals 45-jährige Versicherungsfachwirt Rentner. Durch die freie Zeit beschäftigte er sich mit der Frage: Wie kann ich Menschen Schach beibringen? „Ich fange immer mit einem leeren Brett an – und dann kommt der König“, sagt er. Als seine heute 24-jährige Tochter als Schülerin der Grundschule Stakerseite besuchte, bot er dort Schachunterricht an: „Meine Tochter hat dieser Virus aber nicht ergriffen“, sagt er lachend. Das war der Startschuss für seine Schachlehrertätigkeit in Kaarst.

Interessierten gibt Stelter immer noch Unterricht. Außerdem widmet er sich einem Sudoku-Projekt, unterstützt die Initiative Kaarster Blind-Gänger und die Kinderkrebsstiftung „Ellis Eyeland“ in Meerbusch. Sein ehrenamtliches Engagement geht somit weit über Schach hinaus.