Brauchtum in Büttgen Vom Gastschützen zum Schützenkönig

Büttgen · Lars Witte war der einzige Bewerber beim Königsschießen der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Büttgen. Dabei ist der 25-Jährige erst ab Montag mitmarschiert – als Gastschütze. Die Geschichte eines spontanen Vogelschusses.

Strahlender Schützenkönig: Mit dem 188. Schuss sicherte sich Lars Witte die Königswürde in Büttgen. Die Entscheidung zu schießen fiel sehr spontan. Mit 25 Jahren ist er einer der jüngsten Schützenkönige überhaupt. 
  NGZ-Foto: Georg Salzburg

Strahlender Schützenkönig: Mit dem 188. Schuss sicherte sich Lars Witte die Königswürde in Büttgen. Die Entscheidung zu schießen fiel sehr spontan. Mit 25 Jahren ist er einer der jüngsten Schützenkönige überhaupt. NGZ-Foto: Georg Salzburg

Foto: Georg Salzburg (salz)

Der Vogel war ziemlich zäh. Die Einzelstücke des hölzernen Federviehs hat Lars Witte nach dem Vogelschießen der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft mit nach Hause genommen. „Ich habe ihn ziemlich zerfetzt“, sagt Witte im Gespräch mit unserer Redaktion. Kein Wunder, immerhin benötigte der 25-Jährige satte 188 Schüsse, um sich zum neuen Schützenkönig von Büttgen zu machen. 25 Jahre alt, keine Königin, eigentlich nur ein Gastschütze – das entspricht nicht gerade dem typischen Bild eines Schützenkönigs. Denn normalerweise sind die Könige schon jahrelang Mitglied in den Bruderschaften. Doch Witte ist anders.

Am Schützenfestsonntag war Lars Witte noch in Sachen Radsport unterwegs. Als Abteilungsleiter Radsport des VfR Büttgen und sportlicher Leiter verbringt er viele Wochenenden in Radsporthallen, oftmals im Osten Deutschlands. So auch am letzten Juni-Wochenende. Doch am Montag tauschte er den Trainingsanzug mit einer Uniform und lief als Gast beim Schützenzug „Les Pedaleurs“ mit. Dieser ist – wie der Name schon sagt – aus der Radsportabteilung des VfR Büttgen hervorgegangen. Eigentlich sollte Witte schon längst mitlaufen, denn sein guter Freund Friedhelm Kirchhartz bearbeitet ihn seit Jahren. Doch aufgrund seiner Tätigkeiten im Radsport und der Corona-Pandemie hat es bislang nie geklappt. Bis zu jenem Montag. Bei einem gemeinsamen Abendessen im Restaurant „Toskana“ sprachen die Zugmitglieder über das 30-jährige Bestehen, welches im nächsten Jahr ansteht und was sie dazu machen könnten. „Dann kam die Idee auf, dass einer von uns am Dienstag auf den Vogel schießt“, erinnert sich der neue König. Als sich aber niemand freiwillig meldete, erklärte Witte, dass er sich das durchaus vorstellen könnte. Darauf nagelten die Zugmitglieder Witte fest. Er unterschrieb noch am Montag einen Mitgliedsantrag bei der Bruderschaft und saß einen Tag später beim Vogelschießen als einziger Bewerber auf dem Holzstuhl.

Auch das sei ein Beweggrund gewesen, auf den Vogel zu schießen. „Bereits am Montag war absehbar, dass es keinen Bewerber gibt. Das war mitentscheidend, dass ich es dann gemacht habe“, sagt Witte: „Ein Schützenfest ohne Schützenkönig wäre schon schade.“ Doch so ganz ohne Schützenerfahrung ist Witte nicht. Nach seinem Studium trat er in Grevenbroich einem Zug bei und lief dort bereits einmal beim Schützenfest mit. Die Tendenz, in seinen jetzigen Zug einzutreten, habe es schon länger gegeben. „Ich stehe dem Ehrenamt sehr wertschätzend gegenüber und setze mich dafür ein, dass auch jüngere Menschen sich engagieren und Verantwortung übernehmen“, sagt Witte. Daher hat er im Alter von 20 Jahren die Leitung der Radsportabteilung übernommen und ist mit 25 Jahren nun Schützenkönig.

Nach seinem erfolgreichen Vogelschuss sei versucht worden, sein politisches Engagement – Witte sitzt als CDU-Mitglied im Stadtrat und ist zudem Vorsitzender der CDU Büttgen – in einen Topf zu werfen. „Die Königswürde hat absolut nichts mit meiner politischen Karriere zu tun“, versichert Witte. Im kommenden Jahr muss er viele Termine von Bruderschaft und Radsport koordinieren, die sich oftmals überschneiden, zudem sucht er noch eine Königin. Doch bereut hat er die spontane Entscheidung bislang nicht. Auf seine Zugmitglieder kann er sich zumindest verlassen. „Schützenkönig wird nicht nur derjenige, der schießt. Da müssen alle hinterstehen. Und das tun sie“, sagt Witte.