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Kaarst - Vorwürfe gegen Woelki im Fall Winfried Pilz​

Ehemaliger Kaarster Pfarrer : Vorwürfe gegen Woelki im Fall Winfried Pilz

Das Erzbistum Köln bekräftigt, Rainer Maria Woelki sei zu keinem Zeitpunkt mit dem Fall Winfried Pilz befasst gewesen – anders als sein Vorgänger. Das Erzbistum machte vergangene Woche den Fall Pilz öffentlich, um mögliche weitere Missbrauchsbetroffene zu finden.

Das Erzbistum Köln weist Vorwürfe gegen Kardinal Rainer Maria Woelki zurück, er habe das Bistum Dresden-Meißen über den Missbrauchsverdacht gegen einen früher dort tätigen Kölner Priester nicht informiert. Mit dem Fall des ehemaligen und 2019 gestorbenen „Sternsinger“-Chefs Winfried Pilz, der von 1989 bis 2000 Pfarrer in Kaarst war, sei der Erzbischof zu keinem Zeitpunkt befasst gewesen, weil die Akten unter seinem Vorgänger Kardinal Joachim Meisner bereits geschlossen worden seien, sagte der Sprecher des Erzbistums, Jürgen Kleikamp, am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Das Erzbistum Köln machte vergangene Woche den Fall Pilz öffentlich, um mögliche weitere Missbrauchsbetroffene zu finden. Danach wurde der Geistliche bereits 2012 beschuldigt, einen „schutzbedürftigen Erwachsenen“ in den 1970er Jahren missbraucht zu haben. Meisner legte Pilz 2014 eine Geldstrafe auf und verbot ihm den Kontakt zu Minderjährigen ohne Anwesenheit weiterer Erwachsener. Damals verbrachte Pilz seinen Ruhestand im Bistum Dresden-Meißen, das nach eigenen Angaben erst im vergangenen Monat von dem Fall Pilz und dem Umgangsverbot erfuhr.

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Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller sagte der „Bild“-Zeitung, das Erzbistum Köln sei verpflichtet gewesen, das Bistum Dresden-Meißen über den Missbrauch durch Pilz und das ihm auferlegte Umgangsverbot mit Kindern zu unterrichten, um für die Einhaltung der Auflage zu sorgen: „Doch das wurde unter Kardinal Meisner unterlassen und unter Kardinal Woelki nicht nachgeholt.“ Die Rolle Meisners ist laut Kleikamp nicht sicher zu klären. Die Akten gäben keinen Hinweis darauf, ob er die ostdeutsche Diözese informiert habe oder nicht. Zur damaligen Zeit sei Woelki Erzbischof von Berlin gewesen; bei seinem Amtsantritt in Köln im September 2014 sei die Akte schon geschlossen gewesen.

Im Zuge ihrer Missbrauchsaufarbeitung meldete das Erzbistum 2018 den Fall der Staatsanwaltschaft, die aber wegen Verjährung nicht ermittelte. Nachdem sich im vergangen Jahr Hinweise auf mögliche weitere Betroffene ergaben und folgende Recherchen nicht die erwünschten Kenntnisse erbrachten, veröffentlichte die Erzdiözese vorige Woche einen Aufruf an mögliche Betroffene, sich zu melden. Sie sehe sich gegenüber den Betroffenen in der Pflicht, den Sachverhalt möglichst umfänglich zu klären.

(NGZ)