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Kaarst-Vorst: Jürgen Becker setzt Schlusspunkt unter Open-Air-Sommer

Auftritt in Kaarst-Vorst : Jürgen Becker setzt Schlusspunkt unter den Open-Air-Sommer

Der Kabarettist überzeugte die Zuschauer auf dem Tuppenhof in Vorst unter anderem mit unterhaltsamen Zukunftsprognosen – es gab allerdings ein Manko.

(barni) Rückblickend kann der Sommer so schlecht gar nicht gewesen sein: Schließlich konnten alle neun Open-Air-Kleinkunstveranstaltungen auf dem Tuppenhof ohne Regen stattfinden. Einen dicken Schlusspunkt setzte jetzt Jürgen Becker.

Der 61-Jährige verfügt offenbar über ein Talent, für das ihn Politiker nur beneiden können: Er forderte aus Gründen des Klimaschutzes einen weitreichenden Verzicht. Sein Appell: „Auf Fliegen, fette Karren und Fleisch verzichten.“ Aber auch neue Klamotten seien tabu. Statt sich bevormundet zu fühlen, lachten und klatschten die rund 130 Besucher, und das nicht zu knapp.

Jürgen Becker, gebürtiger Kölner, fühlte sich auf dem Vorster Vierkanthof „wie bei der Jahrestagung des Deutschen Bauernverbandes“. Zunächst ging er auf die Zukunftsängste der Menschen ein. „Die Zukunft ist immer ungewiss, das ist ihr Markenzeichen. Die Leute gehen zu Sportveranstaltungen, weil sie nicht wissen, wie sie ausgehen“, machte er deutlich.

Ein anderes Thema: Die Digitalisierung. Als Kennwort für den PC empfahl der Kölner „Flönz“: „Da kommt kein international agierender Hacker drauf.“ Becker prophezeite ein extrem schnelles Internet: „Da sieht man die Tore schon, bevor sie geschossen wurden.“ Der Kapitalismus krieche in jede Ritze: Für Jürgen Becker ist das ein Gräuel. Dem setzt er den Wunsch nach mehr Sozialismus entgegen, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der hohen Mieten. Billige Wohnungen in besten Lagen, keine gierigen Konzerne, all das habe es ja schon mal gegeben in Deutschland, genauer gesagt in der DDR. Funktioniert hat das alles nicht. Scheint Jürgen Becker aber egal. Vieles, was er sagte, ist sachlich einfach falsch, ideologisch motiviert.

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Dem Publikum war’s egal, weil es immer was zu lachen gab. Warum nicht Volksmusikkonzerte in Flugzeugen organisieren? „Die Kotztüten lägen bereit“, lästerte Jürgen Becker. War Jesus ein Grüner? Nun, er sei auf jeden Fall in den Himmel hinaufgefahren, und das völlig CO2-neutral. Und Becker erzählte von dem Jungen, der immer die Kleidung seiner vier Geschwister auftragen musste. Das „Unangenehme“: Die Geschwister waren ausnahmslos Mädchen. Als er schließlich noch Kamelle unter seine treuen Fans warf, waren die hin und weg.