Treffen in Kaarst Unternehmer und Politik nähern sich an

Kaarst · In einem Gespräch mit den Fraktionsspitzen haben Kaarster Unternehmer ihr Leid geklagt. Künftig muss es einen permanenten Austausch zwischen allen Beteiligten geben – auch mit der Wirtschaftsförderung.

Die Vorsitzenden der Kaarster Ratsfraktionen staunten nicht schlecht, als die Unternehmer ihnen jetzt erzählt haben, wie es mit der Kaarster Wirtschaftsförderung läuft. Besser gesagt: nicht läuft. „Wir haben den Politikern unsere Erfahrungen mit der Wirtschaftsförderung geschildert, und sie waren geschockt“, sagt Unternehmer Patrick Schappert.

Die Fraktionen hielten den Gedankenaustausch für fruchtbar – und einige äußerten erneut Kritik an der Wirtschaftsförderung. „Für uns war es wichtig zu erfahren, wie die Wirtschaftsförderung agiert“, sagt die stellvertretende SPD-Vorsitzende Hildegard Kuhlmeier. Ihrer Meinung nach muss sie dafür Sorge tragen, dass Unternehmen perfekte Rahmenbedingungen vorfinden und die Vermarktung der leerstehenden Gewerbeflächen „endlich Fahrt aufnimmt“. Möglicherweise muss die Stadt auch personell nachrüsten. Einar Rasmussen (Grüne), selbst Unternehmer, bezeichnete das Treffen als „Quittung für mehr als 20 Jahre CDU-Wirtschaftspolitik“. Projekte wie der Glasfaserausbau oder die Vermarktung von Gewerbeflächen gehen nur „in kleinen Schritten voran“, erklärte Rasmussen. „Wir werden zeitnah eine engmaschige und transparente Berichterstattung von Seiten der Wirtschaftsförderung beantragen und die Diskussion anstoßen, wie die Kommunikation zwischen Unternehmen und Wirtschaftsförderung optimiert werden kann“, sagte er. Auch die Grünen fordern eine Aufstockung der Personaldecke innerhalb des Bereichs.

Lars Christoph (CDU) hielt sich im Hinblick auf die Wirtschaftsförderung bedeckt, fand den Austausch allerdings ebenfalls „konstruktiv“. Die Christdemokraten fühlen sich bestärkt in ihrem Bestreben, gemeinsam mit der Verwaltung die Entscheidungsabläufe zu professionalisieren und vor allem zu beschleunigen. „Ich freue mich auf einen weiteren Austausch mit den Unternehmen“, sagt Christoph. Genau darauf freut sich auch Günter Kopp. Der FDP-Fraktionsvorsitzende sieht einen „kontinuierlichen Gesprächsbedarf“ bei verschiedenen Themen, will aber nichts dramatisieren. „Wir müssen nicht übereinander, sondern viel häufiger miteinander sprechen“, sagt er. Dazu sollten sich die Wirtschaftsförderung, die Unternehmer und die Politik nun wieder regelmäßig zu Gesprächen treffen. Josef Karis (FWG) beschreibt das Treffen als „Samenkorn“, aus dem etwas „gedeihen kann“. Allerdings nur, wenn alle an einem Strang ziehen. „Ansonsten könnte ein riesiger Schaden für die Stadt entstehen“, meint Karis.

Und was sagt die Verwaltung zu diesem Thema? „Eine Intransparenz in der Aufgabenwahrnehmung der Wirtschaftsförderung sehen wir nicht. Allerdings nehmen wir die Kritik der Kaarster Unternehmen sehr ernst und analysieren, wie wir dem Wunsch mehr Kontakt zwischen Unternehmen und Stadt entsprechen können“, heißt es auf Anfrage. Eine Personalaufstockung lehnt die Verwaltung derzeit strikt ab. Den Bedarf nach einem verstärkten Austausch mit den Unternehmen hat die Verwaltung erkannt. Hier muss nun die Politik entscheiden, ob ein ähnliches Format wie der im Jahr 2016 abgeschaffte Wirtschaftstreff wieder eingeführt wird. Für Anfang April ist nun erst einmal ein weiteres Treffen mit den beschwerdeführenden Unternehmen geplant, teilte die Verwaltung mit.

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