Kaarst: Ulrike Nienhaus gegen Lars Christoph bei Fragerunde in Büttgen

Kampf um CDU-Kandidatur in Kaarst : Mehr Statements als Fragen im Bewerberduell

Teil zwei im Kampf um die Kandidatur zwischen Ulrike Nienhaus und Lars Christoph: Die Stimmung war angespannt.

Die Ansage von Carl-Wilhelm Bienefeld, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Büttgen, an die Mitglieder vor Beginn der Fragerunde war eindeutig: „Es wird sicherlich leidenschaftlich, das gehört dazu. Aber ich bitte Sie, darauf zu achten, den Respekt vor der Person zu wahren“, sagte Bienefeld. Der Versammlungsleiter gab vor, dass die Mitglieder ihren Namen nennen und „eine einzige Frage“ an Ulrike Nienhaus oder Lars Christoph stellen. Nienhaus und Christoph waren am Donnerstag in die Pampusschule nach Büttgen gekommen, um sich die Mitgliedern vorzustellen und ihre Pläne und Beweggründe vorzustellen, wie die Zukunft der Stadt unter ihrer Regie als Bürgermeisterin oder Bürgermeister aussehen sollte. Die beiden kämpfen CDU-intern um die Aufstellung zur Bürgermeisterwahl im Jahr 2020.

Doch anstatt klare Fragen zu formulieren, nutzten einige Mitglieder ihre Wortmeldung als Werbeplattform für Ulrike Nienhaus oder Lars Christoph und gingen mitunter auf die Vorredner ein, ohne den Fokus auf die beiden Kandidaten zu legen. So meldete sich Heinz Kampermann und wandte sich an Lars Christoph und warf ihm vor, dass ihm für dieses Amt die nötige Empathie fehle. „Es kam bei der Vorstellung Deiner Person bei mir so an, als ob Du sehr viel weißt und das runterspulst. Bei Frau Nienhaus hatte ich das Gefühl, dass das sehr empathisch und bürgernah ist. Ich glaube, dass Du da noch lernen musst“, sagte er. Christoph habe die Entscheidung aus dem Herzen heraus getroffen und dabei seinen Verstand ausgeschaltet. „Das glaube ich nicht. Du hast noch nie Deinen Verstand ausgeschaltet“, sagte Kampermann. Christoph wies die Vorwürfe zurück, indem er auf seine 20-jährige politische Erfahrung verwies. „Ich muss mir keinen Mangel an Herzblut vorwerfen lassen“, sagte er. Und so ging es immer weiter. Reimer Schubert setzte dem Ganzen die Krone auf, indem er keine einzige Frage stellte, sondern nur seinen Standpunkt klarmachte und erklärte, dass es Zeit für einen Wechsel ist und die CDU froh sein kann, dass ein 40-Jähriger bereit ist, seinen Job aufzugeben, um Kommunalpolitik zu machen.

Nienhaus’ Alter – die Amtsinhaberin wird am 31. Oktober 64 Jahre alt – wurde im weiteren Verlauf noch einige Male diskutiert, sollte aber nicht den Ausschlag geben, wer der bessere Kandidat ist. Klar wurde: Die Mitglieder sind überzeugt, dass beide Kandidaten geeignet seien. Und dennoch wurde in Büttgen deutlich, dass es zwei Lager gibt. Gemessen an dem Applaus der 90 Mitglieder scheint es eine größere Unterstützung für Nienhaus zu geben, zumindest im Ortsteil Büttgen. Ulrike Nienhaus ging in der Diskussion immer wieder gezielt auf den Standort ein und sammelte so weitere Pluspunkte.

Thorsten Schmitter, der mit einem offenen Brief vor der Mitgliederversammlung in Kaarst vor zwei Wochen für Aufsehen gesorgt hatte, war in Büttgen erneut dabei und kritisierte Christoph mit dessen eigenen Worten. Der Herausforderer nahm oft das Wort „Wertschätzung“ in den Mund, und laut Schmitter würde er als CDU-Vorsitzender die Wertschätzung für Nienhaus vermissen lassen. „Ich mache die Wertschätzung daran fest, dass wir in den vergangenen Jahren im Austausch standen und ich ihr im Vieraugengespräch gesagt habe, was ich gut finde und was nicht. Und zwar nicht über die Zeitung“, erklärte Christoph.

Am 28. Oktober müssen die rund 470 CDU-Mitglieder entscheiden, wen sie als Bürgermeisterkandidaten aufstellen. In Büttgen scheint Nienhaus leicht die Nase vorn zu haben. Bis zur endgültigen Abstimmung sind aber noch zwei Wochen Zeit. Und wer weiß, vielleicht wird ja noch das ein oder andere Gefecht öffentlich ausgetragen. Auszuschließen ist das nach der Versammlung in Büttgen jedenfalls nicht.

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