Kaarst: Tüv stoppt die Kolpingbahn

Große Sicherheitsbedenken: Endstation für die Kolpingbahn

Seit rund 40 Jahren fährt die Bahn bei Stadt- und Pfarrfesten durch Kaarst. Jetzt wurde sie aus dem Verkehr gezogen.

Seit mehr als 40 Jahren fährt die Kolpingbahn durch Kaarst – bei Pfarrfesten, Karnevalsumzügen oder Kindergartenfesten. Doch damit könnte nun Schluss sein. Laut TÜV ist die Bahn nicht mehr fahrtüchtig. Mehr noch – sie war es im Grund noch nie.

Auch Reinhard Breil ist mit der Kolpingbahn aufgewachsen. „In meiner Kindheit bin ich schon damit gefahren. Das ist schon ein Stück weit Nostalgie und gehört einfach zur Stadt Kaarst dazu“, sagt Breil. Gemeinsam mit seinen Kameraden vom Schützenzug „Kleine Kaarster“ hat er die Verantwortung für die Kolpingbahn übernommen, der ehemalige Kaarster Schützenkönig Dirk Andreas sitzt normalerweise bei Veranstaltungen wie dem Pfarrfest am Sonntag in einer Woche am Steuer. Doch eigentlich dürfte er das gar nicht. „So gesehen war die Bahn noch nie fahrtüchtig“, sagt Andreas.

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Die Bahn wurde in den 70er Jahren gebaut und seitdem immer bei Anlässen wie dem Pfarrfest oder dem Karnevalszug in Büttgen eingesetzt – ohne eine vorherige Abnahme. Als die Bahn bei einem Pfarrfest in Kleinenbroich von einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes stillgelegt wurde, vereinbarte Andreas einen Termin beim TÜV, um zu testen, ob die Bahn überhaupt noch fahrtüchtig ist. „Wir haben innerhalb des Zuges gesagt, dass wir das klären müssen. Wir wollen nicht in der Verantwortung stehen, wenn einem Kind etwas passiert“, sagt Andreas. Zwar fährt die Bahn nur Schrittgeschwindigkeit und es läuft immer ein Begleiter nebenher, der aufpasst. Dennoch „kann immer etwas passieren, das ist uns zu riskant“, so Andreas. Vor einem halben Jahr schauten sich zwei TÜV-Mitarbeiter das Fahrgerät an – und zogen ein verheerendes Fazit. Räder, Bremsen, Achsen – eigentlich wurde alles an der Bahn bemängelt. Jedoch erteilte der TÜV die Zusage, dass die Bahn eine Zulassung erhalte, sollten die Mindestanforderungen erfüllt werden. Doch dann bräuchte man für jede Veranstaltung eine Sondergenehmigung. Und ob sich der Aufwand lohnt, bezweifelt Andreas. „So leid es mir tut, aber ich glaube nicht, dass die Bahn noch einmal zum Einsatz kommt. Das ist sehr schade und macht mich auch ein bisschen traurig“, sagt Andreas.

Am 23. September beginnt das Fest mit einem Familiengottesdienst (10 Uhr), danach wird auf dem Kirchplatz gefeiert. Zwischen 11 und 18 Uhr wird eine Kirchturmbesteigung angeboten, Kinder können sich in einem Hüpfburgenpark austoben. Ein Highlight des Festes wird das Musical „Simon Petrus Menschenfischer“, das von den Kinderchören St. Martinus aufgeführt wird. Die Bahn jedoch steht still in einer Garage hinter dem Pfarrzentrum – nun wohl für immer.