Kaarst: Themenvielfalt trotz mäßiger Resonanz bei Sprechstunde von Ulrike Nienhaus

Sprechstunde der Bürgermeisterin: Themenvielfalt trotz mäßiger Resonanz

Lediglich vier Besucher kamen zum Abschlusstermin der Sommersprechstunde von Bürgermeisterin Ulrike Nienhaus. Die Verwaltungschefin zieht nach den verschiedenen Gesprächsrunden trotzdem ein positives Fazit.

Das Fernsehen setzt in der warmen Jahreszeit auf Sommerinterviews – laut Martin Schulz’ Aussage im Buch „Die Schulz-Story“ weiß keiner, wozu sie gut sind – und die Kaarster Bürgermeisterin Ulrike Nienhaus auf ihre Sommersprechstunden, dieses Mal an Orten, die die Bürger in ihrer Freizeit aufsuchen. Nun fand die letzte im Biergarten der Gaststätte Haus Broicherdorf – von den „Einheimischen“ nur „Johnen“ nach der Inhaberfamilie genannt – statt.

Ob es an der zu warmen Witterung oder der Urlaubszeit gelegen hat –  jedenfalls kamen nur vier Besucher und nahmen am reservierten Tisch mit kostenlosem Wasserausschank Platz. Die Bandbreite der Themen spiegelte das wider, was Ulrike Nienhaus generell während aller Sprechstunden erlebt: das pralle Leben einer Stadt. Andrea und Stefan Hildebrand ärgerten sich darüber, dass ihr in der Garage eingebauter Zwischenzähler zur Gartenbewässerung nach sechs Jahren nun in den Keller verlegt werden soll. Den fest installierten und verplombten Zähler auf eigene Kosten dort anzubringen kommt für das Ehepaar nicht in Frage. Der Grund für die Verlegung: angeblich neue Vorschriften. Da Familie Hildebrand sich weigert, den Zähler zu verlegen, wird das Wasser derzeit nicht abgerechnet. Alle Unterlagen hat Andrea Hildebrand mitgebracht und überreicht sie Ulrike Nienhaus. Diese erklärt den Vorgang für weder erklär- noch verstehbar und verspricht eine Überprüfung: „Irgendwo müssen die Änderungen ja festgelegt sein“, meint sie.

Die Hildebrands zeigen sich beruhigt: „Die Sprechstunde finden wir gut, da die Bürgermeisterin ja nicht alles mitbekommt. Sie muss wissen, wo der Schuh drückt“, sagt Andrea Hildebrand. Ihr vorsichtiger Hinweis auf eine Kaninchenplage weist Nienhaus allerdings ab: „Sie legen sich mit allen Tierschützern an“, warnt sie.

Der nächste Gast am Tisch ist Robert Hüsges, der in Holzbüttgen ein wassertechnisches Unternehmen betreibt. Er sucht neue Räume, um seine Lagermöglichkeiten zu verbessern und möchte dazu Garagen in der Nachbarschaft und ein Wohnhaus erwerben. Da er das Gefühl hat, dass ihm dabei Steine in den Weg gelegt werden, hofft er auf Hilfe von Ulrike Nienhaus. Sie will im Amt für Wirtschaftsförderung nachfragen, das heimische Firmen begleitet und ein Interesse daran hat, sie am Ort zu halten.

Dass die Sprechstunden auch eine Möglichkeit sind, spontane Anliegen zu äußern, zeigt sich bei einem vorbeikommenden Herrn. Eigentlich sei er wunschlos glücklich, meint er. Dann aber bricht es aus ihm heraus: Der Konverter gehöre weder nach Kaarst noch nach Osterath, sondern in ein durch Kohleabbau entstandenes Loch. „Manchmal hilft es den Leuten schon, sich einfach etwas von der Seele zu reden“, sagt Nienhaus schmunzelnd. Sie stuft die Erfahrungen der Sommersprechstunden bei unterschiedlicher Resonanz als positiv ein: die Menschen seien Ortsteil übergreifend gekommen. Anliegen wie missverständliche Straßenbeschilderung oder überhängendes Grün können oft sofort beseitigt werden, bei anderen Dingen seien politische Beschlüsse erforderlich oder sie sind gar nicht zu ändern. Im Gegensatz zu den Sommerinterviews gibt es einen guten Grund für die Sprechstunden: der direkte Kontakt zu den Bürgern ist Nienhaus wichtig.

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