Kaarst: Syrische Familie nach dreieinhalb Jahren wieder vereint

Unterstützung für Flüchtlinge in Kaarst : Flüchtlingshilfe führt Familie zusammen

Dreieinhalb Jahre hat ein syrischer Vater seine Familie nicht gesehen. Seit Ende September sind sie wieder vereint.

Für diesen Tag hat sich Mohammed G.* besonders fein angezogen. Mit Krawatte und Anzug steht er an der Ankunfthalle des Düsseldorfer Flughafens, in der Hand hat er einen Strauß Rosen für seine Frau und Luftballons für seine beiden Söhne. Und dann ist es endlich so weit: G. nimmt seine Söhne und seine Frau in den Arm. Die Familie ist nach dreieinhalb Jahren wieder vereint.

Damit geht eines der längsten und schwierigsten Verfahren in der Geschichte der Kaarster Flüchtlingshilfe zu Ende. G. kam im Jahr 2015 zusammen mit seinen beiden Neffen nach Dortmund, wo sie zuerst mit 1000 weiteren Flüchtlingen untergebracht wurden. Wenig später kamen sie nach Kaarst – und haben damit das große Los gezogen. „Hier in Kaarst haben wir schon eine Ausnahmesituation. Viele, die nicht hier bei uns in der Stadt wohnen, sehen ihre Familien nie wieder“, sagt Ursula Baum, Vorsitzende der Kaarster Flüchtlingshilfe

Fünf Monate saß Mohammed während seiner siebenmonatigen Flucht in der Türkei fest, wurde von Schleppern betrogen, ging zu Fuß durch Serbien und Mazedonien und schlief fast jede Nacht auf einer Straße. In Deutschland hat er nach schwierigem Kampf mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BaMF) ein Bleiberecht von drei Jahren erhalten, eines davon ist vorbei. Seine Familie erhielt den gleichen Status. Kontakt hatte G. mit seiner Frau nur per Whatsapp, denn auch sie war in Syrien auf der Flucht.

In den vergangenen dreieinhalb Jahren ging es Mohammed gar nicht gut, er konnte fast keine Nacht schlafen, weil er die ganze Zeit an seine Frau und seine Söhne denken musste. „Ich habe Ausschlag und Haarausfall bekommen, oft geweint“, sagt er. Verlassen konnte er sich in dieser schwierigen Zeit auf Ursula Baum und ihr Team. „Ich bin Uschi auf ewig dankbar für das, was sie alles für mich getan hat“, sagt Mohammed. Die Flüchtlingshilfe unterstützte Mohammed bei der Wohnungssuche, in rechtlichen Fragen, finanziell – einfach in allem, was anstand. Als er erfahren hat, dass seine Familie von der deutschen Botschaft in Beirut Visa für die Ausreise erhalten hat, war Mohammed einfach nur noch „glücklich“. 

Ursula Baum schildert, dass er seitdem gar nicht mehr aufhört zu strahlen. „Ich glaube, dass er jetzt auch schnell die deutsche Sprache richtig lernt, weil er sich jetzt dafür öffnen kann und den Kopf frei hat“, sagt sie.

Jetzt sucht Mohammed mit Hilfe von Ursula Baum einen Job. In Syrien hat er in einer Raffinerie gearbeitet und ist Lkw gefahren. Handwerklich ist Mohammed begabt, das hat er auch bei Umzügen von anderen Flüchtlingen immer wieder unter Beweis gestellt. „Es war ein langer und beschwerlicher Weg mit vielen Höhen und noch mehr Tiefen. Es sieht gut aus, aber wir haben noch Einiges zu tun“, sagt Ursula Baum. Doch Mohammed kann sich nun voll auf die Zukunft konzentrieren, denn das Wichtigste hat er zurück: seine Familie.

*Namen von der Redaktion geändert.

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