Kaarst: Startschuss für neues Insekten-Bündnis

Bündnis für Insekten : Startschuss für neues Insekten-Bündnis

Mit dem Besuch von Kreis-Umweltdezernent Karsten Mankowsky auf dem Hof von Stefan Schwengers ist das „Bündnis für Insekten“ gestartet. Das Ziel: Die Kommunen sollen im Hinblick auf den Naturschutz voneinander profitieren.

Das Insektensterben bewegt die Menschen. Ein Beispiel hierfür ist das Volksbegehren Artenvielfalt in Bayern, das am 17. Juli im bayerischen Landtag verabschiedet worden war. Jetzt hat der Rhein-Kreis Neuss das „Bündnis für Insekten“ ins Leben gerufen. In einem ersten Schritt möchte sich Umweltdezernent Karsten Mankowsky einen Überblick verschaffen. Am Montag kam er auf den Hof von Stefan Schwengers. Er nahm die 1600 Quadratmeter große Blühwiese in Augenschein, die im Frühjahr eingesät worden war und die schnell von den unterschiedlichsten Insekten entdeckt wurde. Ralf Ernst und Stefan Schwengers, beide Mitglied im Umweltausschuss der Stadt Kaarst, hatten die Idee, Blühpatenschaften anzubieten. 28 Paten konnten in kurzer Zeit gefunden werden. „Im Mai Hagel, im Juli Hagel und jetzt drei Tage lang über 40 Grad – die Blühwiese hat es nicht leicht gehabt“, erklärte Milchbauer Schwengers. Neben der 1600 Quadratmeter großen Fläche hat er an anderer Stelle noch zwei jeweils rund 1000 Quadratmeter große Flächen zum Wohle der Insekten eingesät. Er geht davon aus, dass pro Quadratmeter zehn Hummeln auf den Blühwiesen leben und natürlich noch jede Menge andere Insekten. Deshalb möchte er, dass das Projekt fortgeführt wird. Ralf Ernst, Sprecher des Imkervereins „Bienenwerk“, hat bereits Marketingmaßnahmen im Hinterkopf. Eine davon: „Die Blühpatenschaften könnten im Herbst als Weihnachtsgeschenk beworben werden.“

Diplom-Ökologe Helmut Kessler, der für den Rhein-Kreis Neuss arbeitet, gab Stefan Schwengers einen Tipp: „Lassen Sie im Herbst einen Teil der Wiese stehen, weil sie viele Insekten in den Stengeln der Pflanzen einnisten – wenn man diese mäht, ist die nächste Generation der Insekten vernichtet.“ „Das könnten wir uns für unsere städtischen Flächen auch überlegen“, erklärte Bürgermeisterin Ulrike Nienhaus. Für sie ist wichtig, dass solche Aktionen beim Bürger auf die erforderliche Akzeptanz stoßen. Volker Große, Abteilungsleiter Freiraum- und Landschaftsplanung beim Rhein-Kreis Neuss, machte darauf aufmerksam, dass so Bereiche entstehen, die von den Bürgern als unschön angesehen werden könnten, die aber aus ökologischer Sicht Sinn machen. „Wir sind froh, dass wir so engagierte Landwirte und politische Vertreter haben“, freute sich Karsten Mankowsky. Und er erklärte, warum es ihm wichtig ist, sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen: „Ich möchte, dass eine Kommune von den Erfahrungen der anderen profitiert. Wie groß das Interesse der Bürger ist, etwas für die Natur zu tun, erkennt er an der Resonanz auf den Wettbewerb „Insektenfreundliche Gärten“: „Da liegen bislang mehr als 100 Bewerbungen vor, deutlich mehr, als wir erwartet haben.“ Stefan Schwengers machte auf ein anderes Problem aufmerksam: „Neben Insekten sind auch Hasen, Feldhühner und Fasane wichtig. Sie werden allerdings immer seltener.“ Krähen und Füchse müssten deshalb stärker bejagt werden.

Ulrike Silberbach vom Nabu erwies sich wieder als wandelndes Lexikon in Sachen Flora und Fauna. Sie identifizierte Malve, Kornblume, Bienenfreund und Ringelblume und hatte einen Wunsch: „Es sind noch zu wenig Doldenblütler dabei – die werden von den Schwalbenschwänzen, einer seltenen Schmetterlingsart, besonders geschätzt.“

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