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Kaarst: Stadt stoppt Abriss von Flüchtlingsheim

23 weitere Zuweisungen in Kaarst : Stadt stoppt Abriss von Flüchtlingsheim

Bis Ende Februar wird die Stadt 23 weitere Flüchtlinge aufnehmen. Derzeit sind noch 160 Plätze frei.

Die Unterbringung von Flüchtlingen und Obdachlosen ist und bleibt eine Herausforderung für die Stadt. Insgesamt gilt es derzeit, 584 Personen unterzubringen. Die Zahl der Obdachlosen ist wieder moderat gestiegen und es ist in Kürze auch wieder mit Zuweisungen und Asylbewerbern zu rechnen.

Langeweile dürfte bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Sozialamtes nicht aufkommen, es warten immer neue Herausforderungen. Astrid Werle (FDP) war aufgefallen, die es im Vergleich zum vorigen Situationsbericht der Wohngeldstelle 13 obdachlose Menschen mehr gibt – es sind jetzt 36. Gerd Eisenach vom Sozialamt erklärte dazu folgendes: „Eine elfköpfige Familie, für die wir mit Müh’ und Not eine ausreichend große Unterkunft gefunden hatten, musste wieder ausziehen.“ Den Grund beschrieb er vage: „Ihr Verhalten ließ es nicht zu, dass sie in der Wohnung bleiben konnten.“ Bei dieser Familie handelt es sich nicht um Flüchtlinge. Außerdem sind zwei Einzelpersonen obdachlos geworden. Sieben Asylbewerber hätten mit ihrer Anerkennung auch eine eigene Wohnung finden können.

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In der Flüchtlingsunterkunft an der Novesiastraße gibt es ein Problem: Sie können ihre Räume nicht abschließen, die Familien, die dort untergebracht sind, haben keine Privatsphäre. Gerd Eisenach sprach in diesem Zusammenhang von Brandschutzgründen und erklärte, dass man in ständigem Austausch mit der Bauverwaltung stehe. Anneli Palmen (SPD) regte an, dass Problem mit der Stadtbrandinspektion zu lösen, „damit die Menschen ihre Türen abschließen können“. „Gut wäre ein Generalschlüssel für die Feuerwehr“, sagte Palmen und gab zu bedenken, dass offene Türen kein Sicherheitsgefühl aufkommen ließen. Was ebenfalls auffiel: Eine Zahl war gesunken, nämlich die der freien Plätze für Asylbewerber. Aktuell sind es 160. „Wir haben einen Teil der Kapazitäten in den letzten Monaten aufgegeben“, erklärte Sozialdezernent Sebastian Semmler. So wurden die Räume in dem früheren Fitness-Zentrum „Rido Fitness“ nicht mehr benötigt. Die Flüchtlingsunterkunft an der Rotdornstraße wurde bereits abgerissen, das Haus am Bäumchensweg 4 sollte ebenfalls der Abrissbirne zum Opfer fallen. Die Stadt agiert jetzt aber vorsichtiger. Einer der Gründe: „Bis Ende des Monats haben wir mit 23 weiteren Zuweisungen zu rechnen“, erklärte Semmler. Die Konsequenz beschrieb er so: „Wir werden den Abbau weiterer Kapazitäten stoppen.“ Die Unterkunft am Bäumchensweg bleibt erstmal erhalten.

Zur Unterkunft an der Novesiastraße äußerte sich Semmler wie folgt: „Wir wissen, dass dieses Haus alles andere als gut ist, aber wir haben derzeit nichts anderes.“ Dagmar Treger (CDU) wies darauf hin, dass Teile des Platenhofs vermarktet werden und eine Familie deshalb anderweitig untergebracht werden müsse bis Mitte des Jahres. Das Problem: Die Stadt hat wenig geeigneten Wohnraum für Großfamilien. „Wir können die Leute nicht auf die Straße setzen“, sagte Anneli Palmen.