Kaarst: Stadt prüft WhatsApp-Nutzung für Verwaltung

Nach Datenklau von Politikern : Stadt prüft WhatsApp-Nutzung für Verwaltung

Mitarbeiter der Kaarster Stadtverwaltung durften bislang nicht über WhatsApp kommunizieren. Das ändert sich womöglich bald.

Es war einer der größten Hackerangriffe der vergangenen Jahre. Zahlreiche Datensätze von deutschen Politikern und Prominenten sind in den vergangenen Tagen durch Hacker veröffentlicht worden. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel gehört zu den Betroffenen. Justizministerin Katarina Barley sprach von einem „schwerwiegendem Angriff“. Teilweise wurden den Opfern sensible Daten geklaut und veröffentlicht. Und dennoch ist beispielsweise der Kurznachrichtendienst WhatsApp für eine Stadtverwaltung in der internen und externen Kommunikation praktisch, weil Bilder, Text- oder Sprachnachrichten ganz einfach von A nach B verschickt werden können. Deshalb überlegt die Stadt Kaarst nun, das WhatsApp-Verbot für die Verwaltung zu überarbeiten.

„Der größte Datenklau in der Geschichte der Bundesrepublik zeigt

uns, wie verwundbar wir an dieser Stelle sind“, sagt Stadtsprecher Peter Böttner, betont aber gleichzeitig, wie wichtig es sei, diesen Kommunikations-Standard, zu dem das Programm in den vergangenen Jahren tatsächlich geworden ist, im Blick zu behalten. Die Stadt prüft deshalb nun, ob und wie eine Nutzung von WhatsApp auf den Diensthandys möglich ist. In Kaarst werde das Thema Datenschutz bereits seit einigen Jahren verfolgt, die Nutzung von Social-Media-Diensten und Messengern wie WhatsApp sei klar geregelt, wie Böttner betont. Facebook beispielsweise werde für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie vom Stadtmarketing intensiv genutzt. „Als Kommune verfolgen wir zwei Ziele: Schutz der Daten unserer Bürger und sensibler Informationen einerseits, offene und zeitgemäße Kommunikation andererseits. Diese Ziele wägen wir sorgsam ab und führen sukzessive entsprechende Regelungen ein“, sagt Böttner. Dazu gehörte bislang auch ein Verbot von WhatsApp auf Diensthandys.

Das Programm wies in der Vergangenheit immer wieder große Sicherheitslücken auf. Erst im Oktober 2018 wurde bekannt, dass Hacker mit einem einzigen Videoanruf das gesamte Smartphone kapern können. Diese Sicherheitslücke wurde geschlossen, doch Hacker denken sich immer neue Angriffsmethoden aus, um an Daten zu kommen. Der Messenger mit dem markanten grünen Logo schreibt seit der Gründung im Jahr 2009 immer wieder negative Schlagzeilen. Jede verschickte Nachricht – weltweit sind das rund 55 Milliarden pro Tag – wird auf einem Server des US-Unternehmens gespeichert. Wer kommuniziert mit wem und wann, was wird verschickt – all das wird für immer festgehalten. Darauf weist WhatsApp in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen hin. Alle Telefonnummern, die der Nutzer in seinem Adressbuch gespeichert hat, werden ebenfalls auf einem Server abgelegt und mit der Konzernmutter Facebook geteilt. So kann zielgerichtete, auf die User zugeschnittene Werbung geschaltet werden. Ein lukratives Geschäftsmodell, für das Facebook im Jahr 2014 satte 19 Milliarden Euro investierte und WhatsApp kaufte. Mittlerweile verwendet der Messenger eine End-zu-End-Verschlüsselung. Das bedeutet, dass alle Daten nur von den beiden Kommunikationspartnern entschlüsselt werden können.

Experten warnen vor allem davor, Kindern den Zugang zu WhatsApp zu ermöglichen. Im Mai 2018 wurde durch eine neue EU-Datenschutzverordnung das Mindestalter für die Nutzung des Dienstes zwar von 13 auf 16 Jahre angehoben, weil keine Daten von Kindern unter 16 Jahren mehr gesammelt und ausgewertet werden dürfen. Allerdings fangen schon viele Kinder früher an, sich Nachrichten zu schicken – sei es in Schulgruppen, in einer Sportmannschaft oder in Freundesgruppen. Das geht, weil der Messenger das Alter des Nutzers nicht kontrolliert und jeder angeben kann, mindestens 16 Jahre alt zu sein. Dann ist allerdings die Gefahr groß, dass die Kinder in Kontakt mit unerwünschten Fotos, Videos oder Kettenbriefen kommen. Es liegt also an den Eltern, genau zu kontrollieren, mit wem die Kinder schreiben.

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