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Kaarst: Sorge vor Hochwasser im Nordkanal

Entschlammung gefordert : Kaarster besorgt um Hochwasser im Nordkanal

Ein Bürger befürchtet, dass der Nordkanal bei einem Starkregenereignis über die Ufer treten könnte. Die Stadt widerspricht und verweist auf extreme Wetterereignisse in den letzten Jahren.

Die Bilder aus dem Ahrtal sind noch immer erschreckend. Brücken wurden durch Unmengen an Wasser zerstört, viele Straßen weggerissen, unzählige Häuser erlitten Schäden und die Menschen stehen vor dem Nichts. Die Aufräumarbeiten werden noch viele Jahre dauern. Nun befürchtet Joachim Lorenz, Gründer des Förderkreises Holzbüttgen, dass auch den Anwohnern des Nordkanals ein ähnliches, wenn auch nicht ganz so schlimmes Schicksal drohen könnte, wenn der Nordkanal nicht entschlammt wird. Der Förderkreis Holzbüttgen hatte sich immer wieder vehement für die Entschlammung eingesetzt. In einem Schreiben des NRW-Umweltministeriums aus dem Jahr 2007, das Lorenz unserer Redaktion vorgelegt hat, steht, dass der Nordkanal für eine Entschlammung bereit wäre. „Im Laufe der Zeit hat sich viel Schlamm angesammelt. Deshalb ist der Nordkanal heute kein Fließgewässer mehr“, sagt Lorenz. Die Gefahr, dass bei einem weiteren Starkregen-Vorfall Wasser über die Ufer tritt, hält er für groß. „Im Hinblick auf die jüngsten Katastrophen ist die Situation neu zu überdenken. Es muss sichergestellt sein, dass wir kleine Katastrophen verhindern können“, sagt Lorenz.

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Auf Nachfrage bei der Stadt Kaarst heißt es, dass es am Nordkanal bei den vergangenen Starkregenereignissen 2020 und 2021 keine gemeldeten Probleme gegeben habe. Die Stadt Kaarst lässt derzeit eine Starkregengefahren- und –risikoanalyse für das gesamte Stadtgebiet erstellen, auch für den Nordkanal. Dabei werden 30- und 100-jährige Regenereignisse, sowie ein Szenario mit einem extremen Niederschlagsereignis von 90 Millimetern in einer Stunde simuliert. Die Fertigstellung der Analyse wird

im Herbst 2022 erwartet. Die Technische Beigeordnete Sigrid Burkhart, gleichzeitig Verbandsvorsteherin des Wasser- und Bodenverbandes Nordkanal, erklärt: „Der Nordkanal wird in seiner gesamten Länge zwei Mal jährlich durch Rückschnitt und Entfernung von Totholz und ähnlichem unterhalten. Die Primärfunktion des Nordkanals beinhaltet nicht die Aufnahme von Niederschlagswasser aus Wohngebieten der Stadt Kaarst. Hierzu dienen die Regenrückhaltebecken im Stadtgebiet.“ Nur bei extremen Niederschlagsereignissen erfolge der Abschlag in den Nordkanal. Dieser habe die abgeschlagenen Mengen sowohl bei einem Extremereignis in 2020 als auch im Juli dieses Jahres ohne Probleme abgeführt, heißt es weiter.

Über die Entschlammung des Nordkanals wird seit mehr als 15 Jahren diskutiert. Zuletzt war 2017 ein weiteres Gutachten des Landesumweltministeriums vorgelegt worden, in dem es hieß, dass eine Entschlammung des Gewässers keine sinnvolle Maßnahme sei.