Kaarst: So dreist gehen Trickbetrüger am Telefon vor

Vorster angerufen : So dreist gehen Trickbetrüger vor

Unserer Redaktion liegt ein Telefon-Mitschnitt vor, in dem sich ein Betrüger als Neffe eines Seniors aus Vorst ausgibt.

Hubert F. (Name geändert) ist 82 Jahre alt. Aber der Senior aus Vorst ist nicht auf den Kopf gefallen, im Gegenteil. „Immer, wenn er telefoniert, stellt er den Lautsprecher an“, sagt seine Schwiegertochter unserer Redaktion. Jetzt erhielt Hubert F. im Beisein seiner Schwiegertochter einen Anruf, der mit einem mysteriösen Satz begann. Sofort schaltete die Schwiegertochter ihr Handy ein und zeichnete das Gespräch auf. Unserer Redaktion liegt das Gespräch vor. Es zeigt, wie dreist Trickbetrüger versuchen, vor allem alte Menschen abzuzocken.

„Hallo Hubert, du weißt, wer hier ist, oder?“ – so meldet sich der Betrüger auf der anderen Leitung bei F. Zuerst gab er sich sogar als Nichte F.s aus Mannheim aus, verwandelte sich nach wenigen Sekunden aber in einen Neffen aus Düsseldorf. „In Düsseldorf habe ich keinen Neffen. Da musst du schon woanders herkommen“, antwortet F. „Ich bin gerade in Düsseldorf“, versucht sich der Betrüger zu rechtfertigen. Auf die Frage, wo er denn wohne, reagiert der Mann ein wenig patzig. „Mein Gott, wer ist dein ältester Neffe?“ F. bleibt auch in dieser Situation cool und antwortet: „Wir wollen doch jetzt hier kein Ratespiel machen. Sag mir, woher du kommst, und dann ich dazu Stellung nehmen.“ Und plötzlich fällt dem Mann ein, dass er aus Köln kommt. Eine Steilvorlage für F.: „Da habe ich natürlich ein Dutzend Neffen“, sagt er. Dann geht es ans Eingemachte – allerdings macht der Rentner den ersten Schritt. „Du brauchst doch irgendwas von mir. Warum rufst du mich denn an?“ Der Betrüger weicht aus. „Du weißt aber, wer spricht, oder?“ „Jaja, mein Neffe aus Köln“, sagt F.: „Einer von den Sechs.“ Nun versucht der Betrüger, F. einen Namen zu entlocken. Wer denn der älteste Neffe aus Köln sei, fragt er. Wieder beweist F. seine Schlagfertigkeit: „Ich kenne doch nicht das Geburtsdatum all meiner Neffen“, sagt er ein wenig vorwurfsvoll. Er könne die Männer jetzt nicht mehr auseinanderhalten, sagt er dem Mann. „Spaß beiseite: Du weißt aber jetzt wirklich, wer spricht, oder nicht?“ Seine Neffen haben so viele Namen, sagt F., die er wohl vergessen hat. Dann sagt er lapidar: „Alexander, oder so“. Wie aufs Stichwort antwortet der Mann: „Ja, Alexander.“ Im weiteren Gesprächsverlauf gibt F. vor, auf dem Sprung zu sein, weil er zum Essen verabredet ist. „Du bist jetzt allein zu Hause, oder wie?“, fragt der Mann wahrscheinlich nicht ohne Hintergedanken. „Nein, meine ganze Familie ist da. Ich bin nie alleine“, antwortet F. Die beiden verabschieden sich und verbleiben so, dass sich der angebliche Neffe noch einmal bei seinem „Onkel“ meldet. Direkt nach dem Auflegen stellt F. fest: „Das war ein Betrüger.“

Diese Aufzeichnung zeigt, wie dreist Betrüger versuchen, sich das Vertrauen von Senioren zu erschleichen und im besten Fall noch Geld von ihnen zu kassieren. Anzeige gegen Unbekannt hat Hubert F. nicht eingereicht – nach Angaben der Polizei sollte man das aber immer tun. „Das ist der erste Schritt, nachdem man angerufen wurde“, sagt Sprecherin Daniela Dässel unserer Redaktion.

Desweiteren rät die Polizei, misstrauisch zu sein, wenn sich jemand am Telefon nicht selbst mit Namen vorstellt. Sobald der Gesprächspartner Geld fordert, soll man das Gespräch sofort beenden und einfach den Hörer auflegen. Zudem sollte man sich vergewissern, ob der Anrufer wirklich ein Verwandter ist. Am besten ruft man die jeweilige Person unter der bisher bekannten und benutzten Nummer an und lässt sich den Sachverhalt bestätigen. Außerdem sollten Details zu familiären oder finanziellen Verhältnissen niemals preisgegeben werden, auch sollte kein Geld an unbekannte Personen übergeben werden.

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