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Kaarst: So arbeitet ein Kampfmittelräumer

Kampfmittelräumer aus Kaarst : „Diesen Job macht nicht jeder“

Roman Drennhaus aus Holzbüttgen arbeitet für einen privaten Kampfmittelräumdienst. In diesem Beruf besteht täglich ein Risiko, nicht mehr nach Hause zu kommen. Dabei sind nur zwei Prozent der Ausgrabungen Kampfmittel.

Roman Drennhaus arbeitet für ein privates Kampfmittelräum-Unternehmen und ist dort Truppführer – eine verantwortungsvolle Position. Dabei hat der 37-Jährige eigentlich den Beruf des Zerspanungsmechanikers gelernt. Allerdings konnte Drennhaus diesen Beruf nicht weiter ausführen, da er durch die Zerstäubung der Kühlungsmittel Probleme mit der Lunge bekam. Als 2007 die Finanzkrise die Metallbranche traf, zog es Drennhaus ins Ausland. Unter anderem arbeitete er für das Innenministerium der Schweiz. Dort besuchte Drennhaus verschiedene Lehrgänge, darunter Munitionskunde und selbstgebaute Spreng- und Brandvorrichtungen. Zurück in Deutschland wälzte er Stellenanzeigen und fand einen Job bei einer Kampfmittelräumfirma. „Ich bin zu dem Beruf gekommen wie die Jungfrau zum Kind“, sagt Drennhaus.

Seit 2018 ist er als verantwortlicher Truppführer für die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Teile von Niedersachsen zuständig. Ein normaler Arbeitstag beginnt damit, dass sich Drennhaus erst einmal einen Überblick verschafft, was ansteht. Als Beispiel nennt er die Durchführung von Erdbohrungen. „Man gleicht den Plan erst einmal mit den örtlichen Gegebenheiten ab. Dann werden die Einmeßarbeiten durchgeführt und dokumentiert, die Bagger vorbereitet. Dann beginnen die Arbeiten“, erklärt er. Im Normalfall werden auf den Baustellen Erdbohrungen bis zu sieben Meter Tiefe vorgenommen. Dort wird dann ein Kunststoffrohr eingebracht – für den Fall, dass die Erdbohrung einfällt und der Bohrer nicht steckenbleibt, also als Schutzmechanismus. Im Anschluss wird eine Sonde herabgelassen, wieder hochgezogen und in Spurdiagramme umgewandelt, so dass man sich die magnetischen Kurven anschauen kann. „Aufgrund deren Verlauf kann man abschätzen, ob es sich um Kampfmittel handelt oder nicht“, sagt Drennhaus. Was man nicht sehen kann, ist die Art des Kampfmittels. „Wir sehen nicht, ob es eine 500-Kilo-Bombe ist oder eine alte Badewanne“, sagt Drennhaus.

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Zwischen den einzelnen Bundesländern gibt es Unterschiede. Zwar hat jedes Bundesland seinen eigenen Kampfmittelräumdienst, doch nur in Nordrhein-Westfalen müssen alle Daten auch an diesen geschickt werden. „Im schlimmsten Fall kann es acht Wochen dauern, bis ein Gelände vollständig erkundet ist“, so Drennhaus. In den anderen Bundesländern können private Unternehmen auch die erhobenen Daten selbst auswerten und Kampfmittel bergen.

Drennhaus selbst ist noch auf keine schwere Bombe gestoßen. „Ich habe schon kleinere Abwurf-Munition gefunden, aber eine echte Bombe noch nicht“, sagt er. Das gefährlichste Kampfmittel, das er gefunden hat, war 2019 in Aachen eine amerikanische Pineapple-Handgranate. „Es ist kein Job, den jeder macht. Und es ist jeden Tag etwas anderes“, erklärt Drennhaus. 98 Prozent von dem, was die Kampfmittelräumer ausgraben, ist nach Angaben von Drennhaus Schrott. „Wir verhalten uns immer so, als würden wir knietief durch Munition laufen. Wir richten unsere Arbeit nach den zwei Prozent aus. Unser oberstes Ziel ist es, das niemandem etwas passiert“, sagt er. Zwar gebe es immer ein Restrisiko, doch die Kampfmittelräumer versuchen, es so weit zu reduzieren, wie es geht.