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Kaarst: Schulen müssen im Herbst weiter lüften

Experte im Kaarster Schulausschuss zur Corona-Pandemie : „Luftfilter ersetzen Stoßlüften in Schulen nicht“

Ein Sachverständiger hat am Donnerstag die Mitglieder des Schulausschusses über die Wirksamkeit von Luftreinigungsgeräten in Schulen aufgeklärt. Ergebnis: Sie sind kein geeigneter, vollwertiger Ersatz für das Stoßlüften.

Im jüngsten Schulausschuss ist beschlossen worden, dass in den Sommerferien ein Sachverständiger über die Wirksamkeit von Luftreinigungsgeräten in den Schulen referiert. Bernd Espeter, staatlich anerkannter Prüfsachverständiger, hat am Donnerstag den Mitgliedern des Schulausschusses erklärt, dass Luftreinigungsgeräte eine gute Ergänzung sind, an Stoßlüften und Maske tragen aber weiterhin kein Weg vorbei führt. „Das ist übrigens auch Vorgabe des Schulministeriums“, erklärt Sebastian Semmler, Erster Beigeordneter und Schuldezernent der Stadt Kaarst. „Egal, ob ein Gerät vorhanden ist oder nicht, es muss weiter gelüftet werden“, so Semmler. Das habe er auch bei dem Termin klar und deutlich so gesagt, nachdem sich einige Teilnehmer verwundert gezeigt hatten.

Die Wirkung der Luftreinigungsgeräte sei nach Angaben Semmlers aus fachlicher Sicht überbewertet. Zwar würden sie 99,9 Prozent der Viren herausfiltern – allerdings nur aus der Luft, die auch angesaugt wird. „Aufgrund des Strömungs- und Ansaugverhaltens der Geräte wird nur ein sehr kleiner Prozentsatz an Luft in einem Raum gereinigt, während gleichzeitig eine permanente Virenzugabe erfolgt, wenn eine Person infiziert ist“, so Semmler. Heißt: Diese Geräte erreichen zu wenig Luft in zu kurzer Zeit. Semmler: „Es ist natürlich eine Begleitmaßnahmen, die aber im Hinblick auf den tatsächlichen Nutzen hinterfragt werden kann.“ Viel wichtiger sei es, CO2-Ampeln zu beschaffen und in gewissen Abständen durch Lüften für einen kompletten Luftwechsel zu sorgen.

  • Foto: Sven Hoppe/dpa
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In den Kaarster Schulen sind solche CO2-Ampeln bereits im Einsatz. „Sie funktionieren aus unserer Sicht gut, gerade in Grundschulen achten vor allem die Kinder darauf, dass sie immer auf grün stehen“, erklärt Semmler. Alle 20 Minuten wird in den Schulen gelüftet. Die Anschaffung solcher Luftreinigungsfilter sei zudem ein großer Kostenfaktor, und aus Sicht Semmlers müsse man den Sinn der Geräte im Vergleich zu den Kosten abwägen. Die Kaarster Stadtverwaltung habe entsprechende Geräte angefragt, die Kosten lägen für rund 150 Geräte bei knapp 500.000 Euro.

Nach Aussage des Sachverständigen sei der Bau einer echten Lüftungsanlage der richtige Weg. „Die Frage ist nur, ob wir das in allen Schulen und Kitas überhaupt machen können und in welchem Zeitraum“, so Semmler. Die Stadt werde sich eher mit dezentralen Lüftungsanlagen befassen – also kühlschrankgroße Anlagen, die in jedem Raum einzeln und nicht über ein großes Röhrensystem gesteuert werden können. Diese Geräte ziehen saubere Frischluft an und geben die verschmutzte Luft nach außen ab. Dazu gibt es mittlerweile auch Förderprogramme. „Das ist aber keine Maßnahme, die wir im kommenden Herbst oder Winter umsetzen können“, so Semmler.

Für den Schulausschussvorsitzenden Jan Günther (FDP) ist es beruhigend zu wissen, dass das Stoßlüften einen positiven Effekt hat. Auch die Einführung der CO2-Ampeln stellt er als wichtige Ergänzung dar. „Das war eine sehr sinnvolle Maßnahme“, sagt Günther im Gespräch mit unserer Redaktion. Allerdings hätte er sich gewünscht, dass die Situation in den Schulen schnell verbessert werden könne. „Wir hätten uns gefreut, wenn uns ein Instrument an die Hand gegeben worden wäre, damit das gelingt. Leider war die Quintessenz, dass mobile Luftfilter nicht das richtige sind und es luftraumtechnische Anlagen bräuchte“, so Günther weiter. In absehbarer Zeit wird die Verwaltung mit dem Sachverständigen und der Politik einen Rundgang durch alle Schul- und Kitaräume vornehmen und prüfen, wie der Stand der Dinge ist und wo dezentrale Luftanlagen überhaupt notwendig sind.