Kaarst: Schulen kämpfen gegen Cyber-Mobbing

Maßnahmen in Kaarst : Schulen kämpfen gegen Cyber-Mobbing

Cyber-Mobbing ist an den Schulen ein großes Thema. Im Schulausschuss wurde über die Handy-Nutzung diskutiert. Eine Sozialarbeiterin sieht die Schuld auch bei den Eltern.

Das Internet vergisst nichts. Dieser Spruch ist leider wahr. Denn wer sich mit seinen Daten auf irgendeiner Seite anmeldet, ein Bild hochlädt oder auf andere Weise seine digitalen Spuren hinterlässt, ist ein potenzielles Opfer von Cyber-Mobbing. Es ist ein Leichtes, einfach ein Bild zu nehmen und dieses zu verunglimpfen oder anonym jemanden zu beschimpfen oder zu bedrohen. Auch die Kaarster Schulen wissen um die Problematik des Cyber-Mobbings. Die SPD wollte nun im Schulausschuss wissen, welche Maßnahmen an den Schulen dagegen getroffen werden. „Eltern, Erzieher und Lehrer erkennen häufig erst zu einem sehr späten Zeitpunkt, dass die Jugendlichen oder Kinder unter Quälereien leiden“, heißt es in dem Antrag der Sozialdemokraten.

Dazu war Andrea Feistel-Jacobs, Sozialarbeiterin an der Gesamtschule Büttgen, geladen und schilderte das Thema Mobbing aus ihrer Sicht. „Die Auslegung und die Verbreitung hat sich durch das sogenannte Cyber-Mobbing grundlegend verändert“, sagt Feistel-Jacobs. Als Maßnahmen werden an allen Kaarster Schulen Beratungen mit dem Ziel, eine Atmosphäre zu schaffen, die Mobbing entgegenwirkt, angeboten. Darüber hinaus werden Streitschlichtung, soziales Lernen, Klassenfahrten, der Klassenrat und im Hinblick auf Cyber-Mobbing vor allem die Medienscouts als Maßnahmen eingesetzt.

Doch Feistel-Jacobs sieht die Schuld nicht nur bei den Schülern, sondern vor allem auch bei den Eltern, gerade im Umgang mit dem Nachrichtendienst „WhatsApp“. Dieser sei erst ab 16 erlaubt, sagt Feistel-Jacobs. Wolfgang Reuter (SPD) nahm diese Vorlage gerne auf und forderte ein Handy-Verbot an Schulen. „Der wesentliche Unterschied zu damals ist doch, dass Mobbing heutzutage anonym stattfindet. Schuld ist meiner Meinung nach der inflationäre Handy-Gebrauch“, sagte Reuter. Dadurch sei die Gefahr der Kriminalisierung gegeben. „In Frankreich sind Smartphones an allen Schulen verboten, der Gebrauch wird auch bestraft“, sagt Reuter. „Es ist nicht einzusehen, dass in einer Stadt wie Kaarst jedes Kind ein Handy haben muss“, kritisiert er.

Christoph Schröder, Schulaufsichtsbeamter des Rhein-Kreises Neuss, rät den Schulen, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen, um Handys „vernünftig“ zu nutzen. „Man kann es nicht dem Zufall überlassen“, sagt er. Bruno von Berg, Schulleiter am Albert-Einstein-Gymnasium, hält die Anregung, Handys an Schulen zu verbieten, für überflüssig. „Es gibt das schon“, sagt er, „zumindest an den beiden Gymnasien“. Allerdings könne das Handy im Unterricht nützlich sein, sagt er. Gleichzeitig kritisiert von Berg die Erziehungsberechtigten. „Es geht nur in Übereinstimmung mit den Eltern. Aber die Erziehung der Eltern ist auch für uns ein wenig schwierig“, so von Berg.