Sozialdienst Katholischer Männer in Neuss Schuldnerberatung erhält mehr Geld von der Stadt

Kaarst · Im Auftrag der Stadt Kaarst übernimmt der Sozialdienst Katholischer Männer seit vielen Jahren die Schuldnerberatung. Nun will der Verein aufgrund gestiegener Personalkosten mehr Geld von der Stadt – und bekommt es auch.

 Serena Becker, Geschäftsführerin des Sozialdienstes Katholischer Männer, war zu Besuch im Sozialausschuss in Kaarst.

Serena Becker, Geschäftsführerin des Sozialdienstes Katholischer Männer, war zu Besuch im Sozialausschuss in Kaarst.

Foto: Judith Michaelis (jumi)

Der Sozialdienst Katholischer Männer Neuss e.V. übernimmt im Auftrag der Stadt Kaarst seit vielen Jahren die Schuldnerberatung und seit kurzem auch die Sozialberatung. Im Sozialausschuss wurde deutlich, dass diese Arbeit von allen Fraktionen sehr geschätzt wird. Leider ist der Zuschuss der Stadt für die Schuldnerberatung nie angepasst worden, obwohl die Personalkosten stark gestiegen sind. Serena Becker, Geschäftsführerin des Sozialdienstes Katholischer Männer, stimmte den Ausschuss auf eine drastische Erhöhung der Zuschüsse ein: Für die Schuldnerberatung muss die Stadt im kommenden Jahr 17.793 Euro mehr bezahlen, für die Sozialberatung wird der Neusser Träger 2802 Euro mehr berechnen.

„Der Zuschuss für die Schuldnerberatung ist seit 2007 nicht erhöht worden“, sagte Becker. Und sie fügte hinzu: „Wir haben uns bei Ihnen nicht gemeldet, sind jetzt aber unter enormen Kostendruck geraten.“ Die Erhöhungen betreffen nur die Personalkosten. Die Sachkosten trägt weiterhin der Neusser Verein. Alle Fraktionen sprachen sich dafür aus, dass die gestiegenen Personalkosten von der Stadt getragen werden, weil die Arbeit des Sozialdienstes Katholischer Männer gut und alternativlos ist. Patrick Petersen von der Sozialberatung und Susanne Rohner von der Schuldnerberatung gaben einen Einblick in ihre Arbeit und überzeugten den Ausschuss und auch Bürgermeisterin Ursula Baum auch diesmal wieder: „Schuldnerberatung und Sozialberatung sind absolut notwendig“, steht für Baum fest. Der Beschluss, weiter mit dem Sozialdienst Katholischer Männer zusammenzuarbeiten, fiel einstimmig aus.

Ebenfalls einstimmig wurde der Antrag der FDP angenommen. Fabian Vetter möchte Gespräche mit der Sparkasse mit dem Ziel einer stärkeren Beteiligung an den Kosten für die Schuldnerberatung. Susanne Rohner erklärte, in 2022 205 Personen beraten zu haben. Sie berichtete von Familien, die schon mit dem Kauf eines Schulranzens finanziell überfordert sind. „Zwischenziel ist immer eine Existenzsicherung, denn eine Sanierung ist erst möglich, wenn klar ist, dass die betreffende Person in Zukunft in der Lage sein wird, ihre laufenden Ausgaben zu bestreiten“, sagte die engagierte und langjährige Schuldnerberaterin. Sie räumte mit dem Vorurteil auf, ihr Klientel sei abgebrüht. Die Ursachen für die Überschuldung seien vielfältig. Schulden haben hieße auch, sich schämen, sich zurückziehen, sich als gescheitert empfinden, krank zu werden und die Angst davor, dauerhaft in Armut zu leben. „Der erste Kontakt ist oft mit großen Ängsten verbunden. Für manche bin ich die erste Person, der die Notlage offenbart wird.“ Die Ausschussmitglieder wünschten sich, dass die Kosten für die Schuldnerberatung künftig früher und dadurch auch moderater erhöht werden.

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