Kaarst: Regenwürmer legen Rasenplatz lahm

Stadt Kaarst will 155.000 Euro investieren: Regenwürmer legen Rasenplatz lahm

Sie versuchten es mit Chili und Senf, doch es half alles nichts: Der Naturrasenplatz auf der Sportanlage Kaarster See ist so stark von Regenwürmern befallen, dass ein Spielbetrieb nicht möglich ist. Nun soll die Fläche erneuert werden.

Seit rund zwei Jahren hat die erste Fußball-Mannschaft der SG Kaarst nur einen halben Kunstrasenplatz zum Trainieren. „Das ist auf Dauer einfach nicht machbar. Zumindest einmal pro Woche sollte ein ganzes Spielfeld zur Verfügung stehen“, sagt Rainer Heich, Abteilungsleiter Fußball des Vereins. Der Hauptgrund, der das Training seit langem einschränkt: Der Naturrasenplatz auf der Sportanlage Kaarster See kann wegen eines Regenwurm-Befalls nicht genutzt werden, sodass auf die Kunstrasenplätze ausgewichen werden muss. „Der ist total heruntergekommen – und eigentlich unser Hauptspielplatz“, sagt Heich, der sich über den Zustand bei der Stadt beschwerte.

Offenbar mit Erfolg, denn nun plant die Stadt, den Naturrasenplatz mit einem geschätzten Investitionsvolumen von 155.000 Euro zu erneuern. Aus dem Beschlussvorschlag der Verwaltung, der im kommenden Sportausschuss am Dienstag, 4. September, diskutiert werden wird, geht hervor, dass diese Summe in das städtische Investitionsprogramm für das Planjahr 2020 aufgenommen wird. „Endlich investiert die Stadt“, sagt Heich.

Die Sportrasenfläche wurde 1970 erstellt und wird nach Angaben der Stadt seitdem „mit den gängigen Pflegemaßnahmen“ – also Mähen, Düngen, Vertikutieren, Nachsäen und Wässern – betreut. Eine komplette Renovierung der Fläche sei jedoch seit 1970 nicht erfolgt. Um die Pflegekosten so gering wie möglich zu halten, zählte das Rasenmähen ohne Aufnahme des Schnittgutes seit Erstellung des Platzes zur gängigen Praxis. Der Verbleib des Schnittgutes wurde mit der organischen und natürlichen Rückführung von Stickstoff begründet, der den Rasen zusätzlich düngen sollte. Aber durch die Maßnahme bildete sich Rasenfilz, der durch die Bodenlebewesen, insbesondere Regenwürmer, zu humosem Oberboden umgewandelt wurde.

  • iPads für Ratsmitglieder in Kaarst : Das Rathaus wird digital

Dadurch entstand das nächste Problem. Denn in der über die Jahre entstandenen Bodenschicht fühlen sich Regenwürmer pudelwohl. Die hohe Aktivität der glitschigen Zeitgenossen stellt jedoch ein Problem für die Fußballer dar. Denn die Ausscheidungen (Losungen) der Würmer sind flächendeckend auf der Spielfläche zu finden. Diese werden unter anderem durch das Rasenmähen verteilt und festgefahren. Bei feuchter Witterung entsteht somit, trotz geeignetem Schuhwerk, eine extreme Rutschgefahr für die Sportler – und damit erhöht sich auch das Verletzungsrisiko. Desweiteren verliert die Grasnarbe bei feuchter Witterung ihre Scherfestigkeit, sodass im Spielbetrieb die Schäden an der Rasenfläche stetig steigen.

Dabei war die Stadt in der Vergangenheit keineswegs untätig, um dem Problem Herr zu werden. Von 2015 bis 2017 wurde im Frühjahr und Herbst die Rasenfläche durch eine Fachfirma mit einem Düngemittel behandelt, das Auszüge von Chili- und Senfsaaten beinhaltete. Durch leichtes Brennen der Haut sollten die Regenwürmer in tiefere Bodenschichten vergrämt werden. Da sich kein nennenswerter Erfolg einstellte, wurde diese Maßnahme jedoch eingestellt.

Auf Initiative der SG Kaarst erfolgte Mitte vergangenen Jahres ein Beratungstermin mit einer Spezialfirma auf der Anlage. Diese Firma mit Sitz in Willich soll die Komplett-Renovierung der Rasenfläche empfohlen haben.

Mehr von RP ONLINE