Kaarst: Rätsel um Steinkreuz an der Alten Heerstraße ist gelöst

Alte Heerstraße in Kaarst : Die Geschichte vom Marienbildstöckchen

Das Steinkreuz auf der Alten Heerstraße hat Hans Peter Hüsen lange Zeit keine Ruhe gelassen. Nach intensiven Recherchen weiß er nun, wann es aufgestellt wurde – und von wem. Um das rauszubekommen, hat er mehrere Jahre gebraucht.

Hans Peter Hüsen wollte einfach mehr über das Marienbildstöckchen wissen, als bislang bekannt war. In mehreren Archiven stand immer nur geschrieben, dass man den oberen Teil des Steinkreuzes nicht lesen könne. Das hat dem Hobby-Historiker keine Ruhe gelassen, also machte er sich an die Arbeit und recherchierte, was es mit der Inschrift auf sich hat, wer sie da reingemeißelt hat und wann das Kreuz überhaupt aufgestellt wurde.

Hans Peter Hüsen hat im Hinblick auf die später hinzugekommene Inschrift auf dem Steinkreuz erfolgreich recherchiert und die Lösung gefunden. Foto: Stephan Seeger

Es dauerte knapp vier Jahre, bis der 89-Jährige des Rätsels Lösung gefunden hat. „In dem Steinkreuz steckt ein Stück Kaarster Geschichte“, sagt er. Die Steine und Schriftzeichen sind so verwittert, dass man fast nichts mehr erkennen kann. Doch Hüsen entzifferte die Inschriften und kennt mittlerweile die wahrscheinliche Geschichte, die sich dahinter verbirgt. Und die geht so: Der aus Wuppertal-Barmen stammende Gerhard Lercher hat 1793 in Kaarst Sibilla Wolters geheiratet. Das Ehepaar zog nach Barmen, wo Sibilla bereits nach einem Jahr Ehe im Kindbett starb. 18 Tage zuvor hatte sie ihre Tochter Katharina Gertrud zur Welt gebracht. Gerhard Lercher heiratete noch zweimal und überlebte auch diese beiden Ehefrauen, ehe er am 6. Mai 1827 im Alter von 57 Jahren in Barmen verstarb. Im Jahr 1811 ist er allerdings von Barmen noch einmal nach Kaarst gekommen, um die obere freie Fläche auf dem Marienbildstöckchen zu Ehren seiner verstorbenen Frau beschriften zu lassen. „Nach dem Tod seiner dritten Ehefrau muss er sich auf den Weg über den Rhein gemacht haben, der damals noch Staatsgrenze war“, sagt Hüsen. Gerhard Lercher trat als Vormund seiner Tochter Katharina Gertrud das Erbe des Steinwegshofes, einem landwirtschaftlichen Betrieb, an und verwaltete ihn von Barmen aus. „Er hat ihn so lange verwaltet, bis der Hof nach der Hochzeit der Tochter verkauft wurde“, sagt Hüsen.

Auch das Datum der Aufstellung ist aus den Inschriften und den Recherchen zu benennen. Dank der Hilfe des Erzbistums Köln konnte Hüsen ermitteln, dass der Stein am 31. Oktober 1771, also „auf Allerheiligen Abend“, wie es auf dem Stein steht, aufgestellt wurde. Und zwar von Jakob Wolters und Katharina Bercher, deren Tochter später Herhard Lercher heiraten sollte. „Offenbar wurde es zur Verehrung der Gottesmutter Maria aufgestellt“, sagt Hüsen.

Der Steinwegshof lag an der Broicherdorfstraße und wurde 1970 abgerissen, während das Steinkreuz an der Ecke Bussardstraße/Alte Heerstraße stand. Als dort die mehrstöckigen Wohnhäuser errichtet wurden, die heute das Bild prägen, wurde das Marienbildstöckchen um etwa 100 Meter an die heutige Stelle verlegt.

Die Geschichte des Marienbildstöckens zeigt, dass die Menschen schon damals gewusst haben, wie man liebt. Warum sonst hätte wohl Gerhard Lercher 40 Jahre nach der Aufstellung des Steinkreuzes eine Inschrift für seine verstorbene Ehefrau einmeißeln lassen? Ein bisschen wie „Romeo und Julia“ auf dem Land.

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