Kaarst: Pflegekräfte fordern mehr Wertschätzung

„Roter Salon“ in Kaarst : Pflegekräfte fordern mehr Wertschätzung

Bei Podiumsdiskussion zum Thema Pflege im Alter waren sich alle einig: Die Politik muss handeln.

Die Bevölkerung wird immer älter. Der demografische Wandel ist keine Neuigkeit mehr und dennoch fehlt es an konkreten Lösungen für den aufkommenden Pflegebedarf im Alter. Auch der Rhein-Kreis Neuss und Kaarst sind davon betroffen. Im Zuge der Veranstaltungsreihe „Roter Salon“ lud die SPD zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Pflege im Alter – eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung“.  Im Foyer der VHS Kaarst traten der SPD-Landtagsabgeordneter Josef Neumann, Verdi-Gewerkschaftssekretär Jürgen Pascha, der Caritas-Vorstand im Rhein-Kreis Neuss, Norbert Callen und Rosel Band, Pflegedienstleiterin des Johanniter-Stifts Kaarst, auf. Moderiert von Anneli Palmen stellte jeder der Redner seine Position und Erfahrungen im Bereich der Altenpflege vor. Im Anschluss daran konnten die anwesenden Zuhörer Fragen stellen und sich selbst zum Thema äußern.

Als Hauptproblem der  Pflege im Alter wurde von allen Beteiligten der Personalmangel genannt. Gründe dafür sind – neben der schlechten Bezahlung – die mangelnde Wertschätzung des Berufes und die Arbeitsbedingungen. In Nordrhein-Westfalen wird bei öffentlichen Trägern  nach Tarifvertrag gezahlt. Privatisierte Einrichtungen hingegen sparen bei den Personalkosten eine ganze Menge Geld ein.

Rosel Band, die für den  Johanniter-Stift in Kaarst dieses Jahr den Förderpreis der Johanniter im Bereich höhere Arbeitszufriedenheit erhalten hat, spricht aus ihrer Erfahrung in der Praxis. Menschen wollen Lebensqualität und auch im Alter so lange wie möglich selbstbestimmt leben. Wohngemeinschaften oder Einrichtungen im Stil des Johanniter-Zentrums Kaarst liegen im Trend und wurden auch von Zuhörern lobend erwähnt.

Um die Infrastruktur und geeignete Immobilien zu gewährleisten, sind die Städte und Gemeinden gefragt.  Pläne und Strukturen müssen auf kommunaler Ebene erarbeitet und umgesetzt werden. Bleibt die Frage nach dem Personal. Langfristig muss auf Ausbildung und Perspektive für neue Pflegekräfte gesetzt werden. Ein Vorschlag aus dem Zuschauerraum war, Ehrenamtler und Interessierte aus der Gesellschaft für ambulante Pflegedienste zu gewinnen, was kurzfristig helfen könnte.

Es wurde viel diskutiert, unter den Rednern selbst und mit den Gästen. Es wurden Vorschläge gemacht und Betroffene haben sich geäußert. Lösungen konnten dabei aber schlussendlich nicht gefunden werden. Ein Besucher fasste es so zusammen: „Politiker reden immer eine ganze Menge“.  Über die Tatsache, dass es Zeit ist zu handeln, waren sich alle einig – sowohl die Gäste im Publikum als auch die Redner.

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