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Kaarst: Pfadfinder verlegen Gruppenarbeit ins Internet

Rund 120 Mitglieder in Kaarst : Pfadfinder verlegen Gruppenarbeit ins Netz

Seit Herbst haben sich die Pfadfinder nicht mehr live gesehen. Die Arbeit geht aber weiter – im Internet. Ausgetreten sind während Corona nur wenige Kinder.

Markus Sammel ist seit 2008 bei den Kaarster Pfadfindern aktiv. Damals war er zehn Jahre alt. Neun Jahre später übernahm er die Gruppenleitung der „Flughörnchen“ – und mittlerweile ist er als Stammesführer das Sprachrohr der 122 Mitglieder. Rund 70 davon sind Kinder und Jugendliche, die in Gruppen organisiert sind. Doch seit dem vergangenen Herbst finden coronabedingt keine Treffen mehr statt. „Ich vermisse diese Treffen“, erklärt Sammel im Gespräch mit unserer Redaktion. In seiner Stimme ist dieses Gefühl spürbar, es weht ein Hauch von Traurigkeit mit.

Doch ganz verzichten wollen Sammel und seine Pfadfinder-Kollegen auf die gemeinsamen Treffen nicht. Einmal in der Woche trifft sich zumindest sein „Stamm“ online auf einem „Discord“-Server. „Dort spielen wir zusammen Computerspiele oder quatschen einfach. Wir wollen die Kinder und Jugendlichen einfach fragen, wie es ihnen geht, sie haben ja auch wenig Kontakte zu ihren Freunden derzeit“, erklärt Sammel. Vor einigen Jahren wurden zwei neue Gruppen aufgemacht: Die Schlangen, in denen Kinder im Alter zwischen sieben und neun Jahre Mitglied sind, und die Waschbären (neun bis zwölf). Während die Schlangen noch zu jung für Online-Gruppenarbeit sind, sind die Waschbären sehr aktiv. Der Gruppenleiter hat den Mitgliedern zuletzt Pakete mit Pflastern, Nadel und Faden zu Hause vorbei gebracht und sie haben sich online getroffen und gebastelt. Auch Schnitzeljagden im Kinderzimmer wurden organisiert. Doch das alles kann die gemeinsamen Präsenztreffen nicht ersetzen, meint Sammel.

Zweimal im Jahr fahren die Pfadfinder gemeinsam in ein Zeltlager. Über Pfingsten geht es für ein paar Tage an einen Ort, der nicht so weit weg von zu Hause ist, im Sommer fahren die Pfadfinder dann auf eine große Tour. Zuletzt waren sie 2019 in Schweden, das war die letzte gemeinsame Tour. „Wir wandern und kochen zusammen, singen am Lagerfeuer Lieder. Das fehlt uns während der Pandemie schon“, sagt Markus Sammel. Der 23-jährige Chemiestudent und seine Mitstreiter bereiten die Fahrten aber so vor, als würden sie stattfinden. „Zum Glück sind die Kündigungsfristen derzeit nicht lang“, sagt er. Stichwort Kündigung: Während Corona sind nur wenige Kinder aus der Pfadfinderschaft ausgetreten. „Wir hatten Glück, dass die Leute uns treu geblieben sind. Ich habe von anderen Pfadfinderschaften gehört, die von Corona schwerer getroffen wurden.“