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Kaarst: "Paul kocht" sich durch die Krise

Inklusives Projekt in Kaarst : „Paul“ kocht sich durch die Krise

Die inklusive Initiative hat die Corona-Krise bislang relativ gut überstanden. Was in dieser Zeit allerdings fehlt, sind Begegnungen.

Carla schneidet gerade Kartoffeln für den Kartoffelsalat, ein paar Meter weiter hinten ist Nikoletta ganz in ihrem Element und spült dreckiges Geschirr ab. Mara und Nikoletta haben eine geistige Behinderung – und sind dennoch stolz auf ihre Arbeit „Paul kocht“. „Es geht uns darum, dass wir Menschen mit geistiger Behinderung eine Arbeit mitten aus dem Leben geben“, erklärt Sybille Hermeling-Krön. Gemeinsam mit Susanne Grüters öffnete sie im September 2016 den Laden an der Kaarster Straße. Nach langer Suche hatten sie endlich die perfekten Räumlichkeiten für ihre Initiative gefunden. „Wichtig war uns ein Gastraum und eine offene Küche, um so auch die Kommunikation zu ermöglichen“, sagt Hermeling-Krön.

Erstmals waren die Produkte von „Paul kocht“ aber schon drei Jahre zuvor beim Stadtfest „Kaarst total“ präsentiert worden. Seitdem feilen die Mitarbeiter um Küchenchef Hans Volmer immer an neuen Ideen und probieren Rezepte aus. Neuestes Produkt ist ein „Chili con Carne“ im Glas, das in der kommenden Woche bei einem Kooperationspartner von „Paul kocht“ im Supermarkt-Regal stehen wird. Der Verein gründete sich aus einer Elterninitiative heraus. „Als die Kinder noch in der Schule waren, haben wir überlegt, wo sie mit ihren besonderen Bedürfnissen einen Platz in der Arbeitswelt finden können“, sagt Hermeling-Krön. Der „normale“ Weg für Menschen mit Behinderung führt zur Behindertenwerkstatt. „Das fanden wir für unsere Kinder nicht den richtigen Ort. Wir wollten die Alternativlosigkeit nicht akzeptieren“, sagt die ehemalige Inhaberin des Classic-Hotels, die anfangs das Hotel und „Paul kocht“ betrieben hat. 2017 verkauften sie und ihr Mann das Hotel, seitdem steckt sie ihre volle Energie in das inklusive Projekt. Danach haben sich die Eltern zusammengesetzt und sich überlegt, was man machen kann. Herausgekommen ist „Paul kocht“.

Ihre Mitarbeiter sind bei der Behindertenwerkstatt beschäftigt und arbeiten quasi in der Außenstelle bei „Paul kocht“. Zwar hat die Corona-Krise die Initiative auch getroffen, dadurch, dass sie auch eigene Produkte vertreiben, geht es aber noch. Komplett weggefallen sind die Zweige Catering und das Essen am sogenannten „Community-Table“. „Wenn wir wieder öffnen dürfen, müssen wir uns etwas Neues ausdenken, dann wird dieses Konzept so nicht mehr funktionieren“, sagt Hermeling-Krön. Derzeit können Kunden das Essen nur mitnehmen. „Das wird sehr gut angenommen, wir konnten dadurch einiges kompensieren“, erklärt Hermeling-Krön. Besonders stolz ist die Inhaberin darauf, dass sie ihre zwölf Mitarbeiter durchgehend beschäftigen konnte.

(seeg)