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Kaarst: Otto Nüsser macht kleine Wunderwerke aus Alltagsmaterial

Wunderwerke aus Alltagsmaterial : Kaarster verwandelt Gabeln und Gemüsedämpfer in fantasievolle Figuren

Aus alten Gegenständen fertigt der ehemalige Dekorateur Otto Nüsser seit rund vier Jahren Figuren. Sie erzählen auch von seinem Leben: Denn Nüsser war 23 Jahre lang Marketingchef bei Karstadt in Düsseldorf

Die Königin trägt eine Ananas als Krone: Ihr Rock ist aus einem zugeschnittenen Gemüsedampfer, die Handtasche eine silberne Muschel. Ihr Königreich liegt in Büttgen, genauer gesagt in dem Haus von Otto Nüsser, der seit etwa vier Jahren Figuren aus Gebrauchsgegenständen zusammensetzt. Da wäre zum Beispiel ein Raucher, der eine glimmende Zigarette in der Hand hält oder ein kleines Bügeleisen, das der Kaarster mit Flügeln versehen hat, so dass es an einen wundersamen Käfer erinnert.

Seine Werke sind aber nicht nur Dekorationsartikel, sie erzählen auch einen Teil seiner Lebensgeschichte: Denn Otto Nüsser ist von Beruf Schauwerbegestalter und war 23 Jahre Marketingchef bei Karstadt in Düsseldorf. Immer wieder ließ er sich Aktionen einfallen, die die Aufmerksamkeit bei Kunden erregen sollten: „Das waren tolle Zeiten, die Rolltreppen waren voller Menschen“, erzählt er. Gerne erinnert er sich daran, als er 1986 einen Schmetterlingpavillon in dem Kaufhaus errichten ließ, der vier Wochen stehen blieb.

Das Bügeleisen verwandelt Nüsser in einen wundersamen Käfer. Foto: Otto Nüsser

Kreativ sei er immer schon gewesen: Nach der Schule hat Otto Nüsser sich in seiner Heimatstadt Trier in einem Warenhaus als Dekorateur vorgestellt. „Ich hatte einen ganz tollen Chef“, erinnert er sich. In dem Bewerbungsgespräch sollte er eine Vase mit Blumen malen und dann ein Pferd. „Das ist ja nicht ganz einfach“, sagt er. Doch als er seiner Mutter von dem Gespräch berichtete, sagte er: „Ich kriege die Stelle, so ein tolles Pferd habe ich noch nie gemalt.“ Und so geschah es dann auch: Otto Nüsser lernte den Beruf des Dekorateurs, insgesamt acht Mal ist er umgezogen, arbeitete in verschiedenen Kaufhäusern in Deutschland und hat sogar ein Angebot von dem Warenhaus Harrods in London bekommen. Dies lehnte er jedoch ab: „Das war mir eine Nummer zu groß und die englische Sprache hat mich abgeschreckt“, sagt er.

Seine Figuren, Nüsser nennt sie „Roboter“, hat er auch an ehemalige Kollegen verschenkt: Sie hat er als Dekorateure gestaltet und mit einem Hammer und Nadelkissen am Arm ausgestattet – die Markenzeichen eines Gestalters.

Aus einem Gemüsedämpfer machte Otto Nüsser den Rock. Foto: Otto Nüsser

Die Bauteile für seine Metall-Werke stöbert Nüsser auf Flohmärkten auf und lagert sie zunächst in großen Boxen. „Bevor ich beginne, nehme ich mir 20 bis 30 Teile heraus und überlege, was gut zusammenpasst“, erzählt der 74-Jährige. Dabei ist Fantasie gefragt: Aus Löffeln, Zuckerzangen und Gabeln werden Arme und Beine, Ölkännchen, Teesiebe oder Tassen fungieren als Kopf. „Manchmal mache ich lange keine und dann wieder zwei bis drei hintereinander.“ Einen Tag lang sitzt er an einer Figur. Das Besondere ist, dass jede von ihnen mit kleinen batteriebetriebenen Lampen illuminiert wird. So sind sie mal mit einem leuchtenden Hut  oder halten eine Laterne in ihrer Hand.

Überhaupt lässt sich der Kaarster, seitdem er im Ruhestand ist, immer wieder etwas Kreatives einfallen und tüftelt in seiner Werkstatt. Auch Vogelhäuser baut er gerne. „Zuletzt habe ich meinem Enkel seine Duplosteine abgekauft und daraus ein Haus gemacht“, sagt Nüsser.

Und vor einigen Jahren hat er eine „Applaus-Maschine entworfen“, ein Gerät, an dem man Kurbeln muss, damit zwei oben angebrachte Hände anfangen zu klatschen. 

„Ich habe einfach Freude daran“, sagt er. „Das Gestalten hört nie auf.“