Seminar „Erwachsen werden“ in Kaarst Lions-Quest vermittelt Methoden zum Umgang mit Schülern

Kaarst · In einem dreitätigen Seminar haben 27 Schulsozialarbeiterinnen, Lehrkräfte und Mitarbeiter in der Offenen Jugendhilfe neue Methoden zur Förderung der Sozialkompetenzen von Schülern erlernt. Was der Trainer und die Teilnehmer über das Seminar sagen.

Unter der Anleitung von Trainer Johannes Ott (M.) beginnt das Seminar nach der Mittagspause mit einem gemeinsamen Warm-Up.

Unter der Anleitung von Trainer Johannes Ott (M.) beginnt das Seminar nach der Mittagspause mit einem gemeinsamen Warm-Up.

Foto: Ein Pressefotograf spielt eine e/Wolfgang Walter

Johannes Ott macht nach der Mittagspause ein paar Lockerungsübungen, um die 27 Seminarteilnehmer für den nächsten Lernblock vorzubereiten. Von Donnerstag bis Samstag hat Ott den Schulsozialarbeiterinnen, Lehrkräften und Mitarbeitern der Offenen Jugendhilfe praxisnahe Methoden vermittelt, mit denen sie die Lebens- und Sozialkompetenzen bei Schülern im Alter von zehn bis 14 Jahren stärken können. Dafür ist Ott extra aus Regensburg angereist, wo er nicht nur als Lions-Quest-Trainer, sondern auch als Lehrer und systemischer Therapeut arbeitet. „Das war im Seminar aber noch nicht notwendig“, scherzt er im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die Organisation vor Ort übernahm Andrea Feistel-Jacobs, Schulsozialarbeiterin an der Gesamtschule Büttgen. Diese hat das Seminar „Erwachsen werden“ gemeinsam mit dem Lions-Club Kaarst-Büttgen-Korschenbroich veranstaltet. Am Ende erhält jeder einen Ordner, in dem ganze Unterrichtsstunden vorgegeben sind, von denen aber auch nur Teile genutzt werden können wie beispielsweise Entspannungsübungen.

Doch warum gibt es dann das Seminar überhaupt? Pädagogische Werke gebe es genug, so Ott. „Die Teilnehmer sollen im Seminar erleben, wie die einzelnen Unterrichtsstunden funktionieren. Es ist ein ganzheitliches Programm“, sagt der Lions-Quest-Trainer.

Er gibt ein Beispiel, was die Teilnehmer in dem Seminar erleben. So soll ein Eimer mit angenehmen oder unangenehmen Gedanken gefüllt werden. Anhand eines Tagesablaufs eines Schülers zwischen zwölf und 15 Jahren können die Teilnehmer abstimmen, welches jeweilige Gefühl sie für die bestimmte Situation haben. „Wenn der Wecker klingelt, ist es unangenehm. Wenn mir meine beste Freundin über den Weg läuft, ist das ein angenehmes Gefühl“, so Ott. Am Ende wird im Plenum geschaut, welcher der beiden Eimer voller ist. „Gefühle sind vielfältig, nicht diskutierbar und im Einzelfall sehr unterschiedlich“, erklärt Ott. „Gefühle zu formulieren, fällt den Jugendlichen sehr schwer“, meint Feistel-Jacobs: „Es ist eine schöne Übung dafür, über Gefühle zu sprechen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gute und schlechte Gefühle tagesbestimmend sind und es wichtig ist, darüber zu sprechen.“ Es sei Teil des sozialen Lernens.

Auch Svenja Feuster nimmt als Schulsozialarbeiterin des Georg-Büchner-Gymnasiums an dem Seminar teil. „Es ist ein echter Gewinn, dass man selber noch einmal in die Rolle der Teilnehmerin kommt. Ich kann Erfahrungen reflektieren, es stärkt mein Empathieempfinden“, sagt sie. Es sei ein schöner Raum, seine eigene Arbeit zu reflektieren. „Und man bekommt jede Menge an die Hand“, ergänzt sie.

Der Erziehungsauftrag an den Schulen habe sich stark verändert, schildert Feistel-Jacobs. Die Themen, die in dem Seminar vermittelt werden, seien genau die Themen, die Kinder und Jugendliche in den Schulen beschäftigen. „Vieles wird in den Elternhäusern nicht mehr vermittelt, es wird alles an die Schule übertragen“, sagt sie. Dazu sei ein solcher Handwerkskoffer, der den Teilnehmern mitgegeben wird, prima Material, auf das die Schulsozialarbeiterinnen und Lehrkräfte immer wieder zurückgreifen können.

Laut Rudolf Graaff, Jugendbeauftragter des Lions-Club Kaarst-Büttgen-Korschenbroich, der bei dem Seminar Mitveranstalter ist, finden diese „regelmäßig unregelmäßig“ statt. Das, was die Teilnehmer am Ende mit nach Hause nehmen, sei eine Anleitung für die Gestaltung von Stunden mit vielen Modellen oder Spielen. „Es geht darum, die Anwendbarkeit kennenzulernen“, sagt Graaff.

Johannes Ott ergänzt, dass so ein Seminar auch und vor allem von der Expertise der Teilnehmer lebe. Mit dem Seminar würden die Teilnehmer zudem ihre Weiterbildungspflicht erfüllen, so Graaff. „Es geht um das Thema Lebenskompetenzen. Es gibt viele Einflüsse auf die Schüler, und die Schule hat einen riesigen Auftrag. Das Programm soll dabei unterstützen, Hilfe zu leisten“, sagt er.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort