Kaarst: Liebe zu isländischer Dichtkunst

Kunst und Literatur in Kaarst : Liebe zu isländischer Dichtkunst

Die Werke von drei Autoren aus dem skandinavischen Land wurden in Kaarst vorgestellt. Dabei handelt es sich um Linda Vilhjalmsdottir, Ragnar Helgi Olafson und Sigurdur Pálsson.

Der isländische Künstler Jón Thor Gíslason (61) stellt zurzeit in der Galerie Splettstößer aus. Der frühere Rockmusiker kam jetzt in anderer Mission nach Kaarst: Gemeinsam mit dem aus Nettetal-Lobberich stammenden und in Köln lebenden früheren WDR-Kulturredakteur Wolfgang Fischer, der unter anderem Literaturwissenschaften studiert hat, übersetzt er isländische Lyrik. Drei Lyriker wurden dem Publikum auf sehr unterhaltsame, aber auch informative Weise nähergebracht.

Die Besucher können sich jetzt rühmen, Autoren wie Linda Vilhjalmsdottir, Ragnar Helgi Olafson und Sigurdur Pálsson zu kennen. Und etliche von ihnen dürften nach der knapp einstündigen Lesung beziehungsweise Besprechung Appetit bekommen haben auf mehr. Wolfgang Schiffer spricht nicht sonderlich gut Isländisch. „Aber man sagt mir nach, ich könne den Atem eines Gedichts verstehen“, sagt der 72-Jährige.

Er und der Muttersprachler Gíslason sind – das wurde schnell deutlich – ein gutes Team, und das seit 24 Jahren. Die Besucher lernten den Begriff „Atomdichter“ kennen – so wurden die Dichter in Island genannt, die nach dem Zweiten Weltkrieg und dem erstmaligen Einsatz der Atombombe radikal anders schrieben.

Mit welcher Information Wolfgang Schiffer verblüffte: „In Island erscheinen 50 bis 75 Gedichtbände pro Jahr – und die werden auch gelesen.“ Ragnar Helgi Olafson nannte einen seiner Gedichtbände „Denen zum Trost, die sich in ihrer Gegenwart nicht finden können“ mit sehr tiefgründiger Lyrik und Sätzen wie diesem: „Ich werde mich doch nicht zum Laufburschen für die Wirklichkeit machen.“ Traumhaft schöne Dichtkunst: Das „Wiegenlied“, das Olafson für seine kleine Tochter schrieb.

Das Publikum bekam auch eine Kostprobe aus einem Buch mit Kurzgeschichten des Klartext-Dichters, der seine Botschaften auf den Punkt zu bringen versteht. Linda Vilhjalmsdottir war nach neunjähriger Schreibpause von der Bankenkrise wachgerüttelt worden und wachrütteln möchte sie auch mit ihren Texten in dem ebenso liebevoll wie kunstvoll gestalteten Band „Freiheit“. Noch ein dritter Autor, mit dem die Zuhörer bekannt gemacht wurden: Sigurdur Pálsson (1948 bis 2017). Wolfgang Schiffer sprach von einem „bislang nicht ins Deutsche übersetzten und unterschätzten Dichter“ mit Texten wie „Schattiges Glück“ und „Das Alphabet des Feuers“.