Kaarst: Künstlervereinigung Salix präsentiert Chronik zum 40-Jährigen

Kaarster Künstlervereinigung Salix : Eine Chronik zum 40-Jährigen

Die Künstlervereinigung Salix beschenkt sich selbst und beleuchtet auf 86 Seiten die vergangenen Jahrzehnte.

Die Künstlervereinigung Salix wird 40 Jahre alt und hat sich zu diesem runden Geburtstag ein Geschenk von bleibendem Wert gemacht: Die 86 Seiten starke Chronik beleuchtet die vergangenen 40 Jahre. Geschrieben hat sie Christoph Rehlinghaus: Der 55-Jährige ist sowohl in Bezug auf sein Alter, als auch in Bezug auf seine Zugehörigkeit zu Salix das jüngste Mitglied. Außerdem war der mit einigen Literaturpreisen Ausgezeichnete geradezu prädestiniert, die Jubiläumsschrift zu verfassen. Rehlinghaus hat alle noch aktiven Mitglieder porträtiert – diese Zeichnungen lockern die Textfülle etwas auf.

„Das ist ein Lesebuch“, sagt Gründungsmitglied Burkhard Siemsen. Auf Abbildungen sei bewusst verzichtet worden – weitestgehend zumindest. Ein großformatiges Foto am Schluss zeigt acht Menschen voller Elan, die über einen verschneiten Acker laufen. Es sind die Salix-Gründungsmitglieder Burkhard Siemsen, Gottfried Heimrich, Walter Urbach, Elisabeth Schmitz-Kurschildgen, Wilhelm Schiefer, Brunhilde Köpperschmidt, Heinz-Walter Gerresheim und John Brogden. Salix bedeutet Weide und der Autor geht auf diesen Baum und seine Bedeutung ein. Der Leser erfährt unter anderem, dass sich die Gruppe aufgrund interner Querelen neu konstituierte, und dass Salix aus der Krise gestärkt hervorgehen sollte. Neue Mitglieder kamen hinzu, wie der damals erst 26 Jahre alte Rüdiger Mönnikes, andere, wie Elisabeth Schmitz-Kurschildgen gehen, wenn auch nicht im Streit.

1988 stellten die „Salices“ zum ersten Mal im Büttger Rathaus aus, längst sind mit Klaus Büschgens, Klaus Fabian und Rose Köster neue Künstler hinzugestoßen. „Die Weide hat Wurzeln geschlagen, treibt Blüten und wächst“, sagt Christoph Rehlinghaus. Die Salices bleiben, wie man es von Künstlern erwartet, kritisch. Anfang der 1990er Jahre üben sie Kritik an den Gestaltungsplänen für die neue Stadtmitte in Kaarst, die sich längst zum Markenzeichen entwickelt hat für die Stadt so wie die Weide für die Künstlervereinigung. Uli Mader und Elke Beyer stoßen hinzu und sind bis heute dabei geblieben. Und Salix mischte sich auch weiter ein, stellte Aktionen auf die Beine, über die man sprach und schrieb.

Den Tuppenhof entdeckten die Salices schon früh für sich. Die Mitglieder verfolgen immer wieder auch eigene Projekte. Ein Musterbeispiel hierfür ist Wilhelm Schiefer mit seinen „Brücken über den Nordkanal“, einst umstritten, mittlerweile respektiert. Rehlinghaus geht zum Schluss auf jeden einzelnen Künstler ein. Der Leser erfährt auch, wer alles als Gastkünstler dabei war. Wem von ihnen sollte man die Chance geben, an der Jubiläumsausstellung, die am Freitag eröffnet wird, auszustellen? Das Künstlerkollektiv entschied, dass jedes Mitglied einen Gast einladen dürfe.

Aber sind Vereinigungen wie Salix tatsächlich Auslaufmodelle? Wilhelm Schiefer ist mit 83 Jahren der derzeit älteste, Klaus Büschgens folgt mit 82 Jahren. Siemsen (71) hat das Problem erkannt: „Ob wir neue Mitglieder bekommen, wird sich zeigen.“ Es sei schwer, an die jungen Künstler beziehungsweise ganz jungen heranzukommen, weil heute ganz andere Kommunikationsmittel zur Verfügung stehen als noch vor 40 Jahren. „Die modernen Kommunikationswege sind nicht mehr so bindend“, erklärt Christoph Rehlinghaus. Und Unverbindlichkeit ist ja derzeit „in“.

Mehr von RP ONLINE