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Kaarst: Kleingartenverein Holzbüttgerhaus hat zufriedene Pächter

Kleingartenverein Holzbüttgerhaus in Kaarst : Mit der Natur im Einklang – in der Kleingartenanlage

Franz-Joachim Zimmermann und Ingrid Töller verbringen viel Zeit in ihrem Schrebergarten – und sind damit nicht allein. Die Wartelisten sind lang.

Betritt man den Kleingarten von Franz-Joachim Zimmermann und seiner Frau Ingrid Töller, verlangsamt sich augenblicklich der Pulsschlag. Umringt von Obstbäumen, Hochbeeten mit verschiedenen Gemüsesorten sowie exotischen und heimischen Pflanzen haben sie sich eine kleine Oase geschaffen. „Ich glaube, es ist der Gegensatz zu unserer schnelllebigen Zeit, der für viele einen Kleingarten so attraktiv macht“, sagt Zimmermann. Hier könne jeder seine eigene Geschwindigkeit finden.

57 Gärten hat die Kleingartenanlage Holzbüttgerhaus. Alle sind belegt. Und nicht nur das, es gibt sogar eine Warteliste. Interessant ist, dass auch immer mehr junge Menschen ihr Interesse bekunden. Der Wunsch nach Entschleunigung und Natur scheint groß. Diese Sehnsucht brachte auch das Paar Zimmermann/Töller zu ihrem Garten. „Eigentlich wollte ich das gar nicht. Ich dachte immer, ein Kleingarten, da ist alles so furchtbar reglementiert“, erzählt Töller. Doch nach dem Umzug von einem Haus mit Garten in eine Wohnung mit Balkon wurde schnell klar: der Garten fehlt. Bei einem Spaziergang – das Paar lebt ganz in der Nähe der Anlage – stießen sie zufällig auf den Kleingartenverein und waren angetan.

Das war vor knapp anderthalb Jahren. Nach sechs Monaten Wartezeit konnten die Gartenfreunde rund 300 Quadratmeter inklusive Haus ihr Eigen nennen. Zumindest fast. Die Grundstücke werden verpachtet, das Haus darauf gekauft. Viel Platz für den gelernten Garten- und Landschaftsbauer, seine Ideen und Wünsche in die Tat umzusetzen. „Man muss etwas einmal ganz auf links drehen, dann ist es ein Stück von einem selbst“, sagt Zimmermann. Ein ganzes Jahr lang wurde umgegraben, ein Bewässerungssystem installiert, gepflanzt, gebaut. Zumindest die Hochbeete, denn nicht erlaubt ist, weitere Häuser zu errichten, um zu vermeiden, dass irgendwann alles zugebaut ist. „Viel mehr Regeln gibt es aber nicht“, musste Töller positiv überrascht feststellen und ihr Mann, der mittlerweile sogar Vorsitzender des Vereins ist, fügt hinzu: „Das alte Bild vom Schrebergarten mit Blockwart existiert noch immer. Die Realität sieht – bei uns jedenfalls – anders aus.“ Heute gehe es mehr um das persönliche Wohlbefinden, weniger darum, frische Lebensmittel für die Gesellschaft anzubauen. Obwohl auch das ein positiver Aspekt sei. „Man kann abends vor dem Abendbrot noch schnell vorbeifahren und frisches Gemüse holen. Alles Bio.“

Ob der Garten wild oder akkurat sein soll, sei ganz dem Pächter überlassen. „Hier kann ich eigene Ziele definieren und sie auch erreichen“, sagt Zimmermann. Im Job sei das nur selten möglich. Dort würden Handlungsmuster und Ziele vorgegeben. „Hier gibt es natürlich auch Regeln, aber diese fangen mich eher auf.“