Kaarst: Kameraüberwachung auf der Baustelle

Kameraüberwachung in Kaarst: „Big Brother“ auf der Baustelle

Der Bau des neuen Vinzenzheims auf der Martinusstraße wird videoüberwacht. So sollen Einbrecher und Vandalen identifiziert und gefasst werden.

Die weißen Schilder mit der roten Kamera sind nicht zu übersehen. „Achtung! Videoüberwachung.“ steht darauf geschrieben. Und: „Geschützt durch Bauwatch.“ Der Neubau des Vinzenzheims wird überwacht, wenn die Bauarbeiter Feierabend haben. „Nach einem Diebstahl von Kupferkabeln, die unter anderem zur Stromversorgung eines Krans dienten, haben wir uns dazu entschieden, die Baustelle überwachen zu lassen“, sagt Detlef Rath von der Geschäftsleitung der Vinzenzgemeinschaft, die für den Bau in Kaarst verantwortlich ist.

Auf der Martinusstraße entstehen im Rahmen des Projektes „Betreutes Wohnen“ 25 Einheiten zwischen 65 und 100 Quadratmetern. Außerdem werden eine Tagespflegeeinrichtung für insgesamt 18 Gäste und Büroräume des Pflegedienstes in dem Gebäude eingerichtet. Die Großbaustelle ist fast abgeschlossen, derzeit wird an der Inneneinrichtung gearbeitet. Ende 2018 soll das Gebäude nach Angaben von Rath bezugsfertig sein.

Doch wie funktioniert die Videoüberwachung? Ganz einfach: Die Kameras sind nur auf das Objekt gerichtet und filmen nicht die Straße. „Es wird nur der Bereich der Baustelle überwacht, also nur das Baugrundstück. Die Überwachungstürme sind so eingestellt, dass auch nur der Baustellenbereich überwacht werden kann. Dies wäre aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich“, sagt Rath. Das Filmen der Straße ist nach Rath auch irrelevant. Natürlich müssen auch die Baufirmen über die Videoüberwachung im Vorfeld informiert werden – und die waren alle sehr erfreut über die Maßnahme. Denn Überwachung bedeutet höhere Sicherheit für die Firmen, was ihre Geräte angeht, die über Nacht auf der Baustelle liegen bleiben. Diese Geräte sind für Diebe sehr lukrativ. „Ich denke auch, dass die Überwachungstürme eine abschreckende Wirkung haben und den meisten professionellen Dieben schon bekannt sind“, sagt Rath.

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Auf Nachfrage erklärte das Unternehmen Bauwatch, dass neun von zehn Dieben durch die Videoüberwachung geschnappt werden. „Unsere Kameras sind effektiver, weil sie mehrere Seiten zeitgleich überwachen. Bis der Wachmann das Geschehen erkennt, könnte das Kind schon in den Brunnen gefallen sein. Und die Kamera ist ein vielfaches günstiger als ein Wachdienst“, sagt Perihan Keser von Bauwatch. So würden drei Überwachungskameras für einen Monat das gleiche Kosten als ein Wachmann, der nachts die Baustelle kontrolliert. Und durch die Kameras habe man einen umfassenderen Überblick über die jeweilige Baustelle.

Sobald eine Bewegung auf dem Baustellengelände verzeichnet wird, erhalten die Experten in der Zentrale einen Alarm. Dann bewerten sie, ob eine Bedrohung vorliegt oder nicht. Sollten ungebetene Gäste auf das Baustellengelände eindringen, benachrichtigt Bauwatch sofort die Polizei, um die Eindringlinge festzunehmen. Derzeit gibt es durch die Videoüberwachung mehr als 550 Verhaftungen pro Jahr.

Seitdem der Neubau des Vinzenzheims videoüberwacht wird, ist nicht mehr versucht worden, irgendetwas von der Baustelle zu stehlen.

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