Kaarst: Kabarettist Thomas Freitag im Albert-Einstein-Forum

Thomas Freitag in Kaarst: Freitag bietet bitterbösen Blick auf Europa

Zuschauer amüsierten sich köstlich über den Kabarettisten Thomas Freitag im voll besetzten AEG-Forum.

Er zeichnete für den Bau von 20.000 Kreisverkehren in der Europäischen Union (EU) verantwortlich – und verunglückt dann in einem solchen Kreisel tödlich: Thomas Freitag schlüpfte im voll besetzen Albert-Einstein-Forum in die Rolle eines EU-Beamten und bot mit seinem Kabarett-Programm „Europa, der Kreisverkehr und ein Todesfall“ einen bitterbösen Blick auf die aktuellen Zustände auf diesem Kontinent. Wer sollte nun im Falle seines Todes die Arbeit übernehmen, da sie nur auf Schultern der EU-Beamten ruhe? Denn die Kommissare machten ja nichts.

„Europa ist eigentlich eine gute Sache, aber nicht mit anderen Ländern“, befand Freitag. Die Ursache: Die Gier nach Wachstum sei die Religion der Europäer, denn das reiche Europa achte auf Besitz und dessen Vermehrung. Merkwürdig: Kaum ein Land bekenne sich überhaupt zu dem Kontinent. Dabei bestehe Europa doch aus mehr als genormten Duschköpfen und einheitlichen Gurken – es würden allerdings viele menschliche Gurken dorthin geschickt. Am Beispiel des Leberkäses – er entstand aus Versehen, als ein Topflappen in die Pfanne fiel – mokierte sich Freitag über wenig geschützte Bezeichnungen innerhalb Europas und schlüpfte dazu mit Hilfe veränderter Gestik, Mimik und Stimme in die Gestalt des bayerischen Urgesteins Franz Josef Strauß.

  • Geldern : Ein "neuer Kontinent" im Mühlenturm

Auch die derzeitige Situation in der SPD bekam ihr Fett weg – kein Wunder, dass sich im Schatten eines überlebensgroßen Plastikmonsters von Willy Brandt kein Vorsitzender halten könne. Der Kabarettist machte sich über E-Bikes lustig, für deren Entschleunigung es neuer EU-Richtlinien bedürfe. Und was passiert, wenn Facebook ein Land mit Milliarden von Einwohnern wäre? Ganz klar – ständig klingelte jemand, der dein Freund sein wolle. Danach kommen dessen Freunde – und bringen ständig Dinge mit, die man angeblich braucht.

Mit solchen Einsichten kratzte Thomas Freitag manchmal ziemlich schmerzhaft an einer verborgenen Wahrheit, indem er sie bloßstellte und recht deutlich überhöhte. Das Publikum fühlte sich bestens unterhalten und bedankte sich beim Künstler mit lang anhaltendem Applaus. „Es geht uns zwar gut, aber ich mache mir einfach Sorgen um unseren Kontinent“, meinte der Künstler im Gespräch nach seiner Vorstellung.

(keld)