Kaarst: Kaarster Pflegerin Anne Sautner erfüllt Wunsch

Kaarster Pflegerin erfüllt Wunsch : Ein letztes Mal Rallye fahren

Anne Sautner ist mit einem Demenzkranken die Strecke der Classic Days abgefahren und wurde dafür nun geehrt.

Mit dem DAK-Award ist Anne Sautner, Pflegehelferin und Betreuungsassistentin im Johanniter-Haus in Kaarst, ausgezeichnet worden. Die 55-Jährige erhielt im Malkasten in Düsseldorf die Auszeichnung, mit der die DAK „Menschen aus der zweiten Reihe“ ehrt, weil sie einem demenzerkrankten Bewohner ein ganz besonderes Erlebnis ermöglicht hatte. Einmal pro Woche trifft sich das Team im Johanniterhaus in Kaarst zur Besprechung. In dem Haus, das zum Johanniter-Stift Kaarst gehört, leben 24 schwer bis schwerst demenziell erkrankte Menschen. „Wir überlegen dann gemeinsam, welchen Bewohnern wir eine besondere Freude machen können“, sagt Anne Sautner. Anfang des Jahres hatte die Altenpflegehelferin eine ganz besondere Idee. Sie wusste, dass ein ältere Herr früher ein ganz besonderes Hobby hatte. Oldtimer-Rallyes waren seine Passion. „Die Classic Days hat er sogar mitorganisiert“, ergänzt Einrichtungsleiter Michael Heine.

Und eben diese Route ist Anne Sautner mit ihm Anfang des Jahres abgefahren. Zu dieser Zeit sei es bereits zunehmend bergab gegangen mit dem Patienten. „Er konnte nicht mehr laufen, drohte, nach hinten zu kippen. Er verweigerte das Essen, war in sich gekehrt und alles tat ihm weh“, erinnert sich Sautner. Doch für einen Tag sollte alles anders sein: Im Januar setzte Sautner ihn in ihr Audi-Cabrio und fuhr mit ihm die Strecke der Classic Days ab. „Mit geöffnetem Dach natürlich“, erzählt sie lachend. Die Strecke ging über Schloss Dyck, Liedberg, Rittergut Birkhof und zurück zum Dycker Weinhaus. Die Wirkung der Fahrt auf ihren Mitfahrer war immens. „Er saß ganz gerade, nicht gekrümmt, schaute aktiv nach links und rechts“, so Sautner. Und auch nach der 90-minütigen Fahrt gab es kein Wehklagen. Stattdessen hob er beide Daumen, als sie ihn fragte, wie ihm der Ausflug gefallen habe.

„Alzheimer wird immer nur als furchtbar und negativ dargestellt, aber es gibt so viele Momente, die beiden – Erkrankten und Pflegenden – Spaß machen können“, sagt Sautner. Die gelernte Kosmetikerin weiß, wovon sie spricht. 63 Jahre alt war ihre Mutter, als diese an Demenz erkrankte. Anne Sautner pflegte gemeinsam mit ihrer Schwester und ihrem Bruder die kranke Mutter zuhause – bis zu deren Tod vor 14 Jahren. Gemeinsam erlebten sie, wie die Mutter immer mehr abbaute. „Essensverweigerung, Weglaufen, Urinieren, Essen verstecken unter Matratzen oder Kissen, Tassen durch die Gegend werfen – das gab es alles“, erzählt sie. Dennoch habe sie gemeinsam mit den Geschwistern gerne die Pflege geleistet. Und regelmäßig Ausflüge mit der Mutter unternommen. „Es gab auch Menschen, die mir vorgeworfen haben, wie ich meine Mutter nur so vorführen könne“, erinnert sich Sautner. „Doch ich habe kein Problem damit, wenn ein Demenzerkrankter im Café mit den Händen isst.“ Viel wichtiger sei ihr, zu erleben, wenn die Erkrankten wieder aufblühen. Auch wenn es nur für einen Moment ist – so wie bei dem Oldtimer-Liebhaber, der inzwischen verstorben ist.

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