Jugendhilfeausschuss in Kaarst Das ist das Projekt „Kurve kriegen“

Kaarst · Das Team besteht aus drei Polizeikräften und zwei pädagogischen Fachkräften. Es betreut jugendliche Straftäter. Aus Kaarst gibt es derzeit einen Teilnehmer an dem Projekt.

 Kriminalhauptkommissarin Ira Klug ist Opferschutzbeamtin bei der Polizei des Rhein-Kreises Neuss.

Kriminalhauptkommissarin Ira Klug ist Opferschutzbeamtin bei der Polizei des Rhein-Kreises Neuss.

Foto: Gundhild Tillmanns

Man liest vor allem im Mönchengladbacher Lokalteil der Rheinischen Post ziemlich regelmäßig von brutalen Tätern, die noch sehr jung sind. Etliche von ihnen sind bereits zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Jugendliche Straftäter gibt es aber auch im Rhein-Kreis Neuss. Innenminister Herbert Reul hat das Problem erkannt. Das Land unterstützt mit dem Projekt „Kurve kriegen“ den Kampf gegen die kriminellen Kids. Polizeikräfte und Sozialpädagogische Fachkräfte informierten jetzt im Jugendhilfeausschuss über das Projekt.

Die gute Nachricht vorab: Unter den Jugendlichen, die von ihnen betreut werden, ist derzeit lediglich ein Kaarster. Die Polizeibeamtin Ira Klug leitet das Team, dem insgesamt drei Polizeikräfte und zwei pädagogische Fachkräfte vom Sozialdienst Katholischer Männer angehören. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend: „40 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind nicht mehr straffällig geworden“, erklärte Klug. Und was ist mit den übrigen 60 Prozent? Die Polizeibeamtin hat folgende Erfahrung gemacht: „Man kann nicht alle auf den rechten Weg bringen.“ Von dem Projekt „Kurve kriegen“ können Täter an acht Jahren profitieren, wenn sie in den vergangenen zwölf Monaten mindestens eine Gewaltstraftat oder drei Eigentumsdelikte begangen haben. Ira Klug schilderte ihren Arbeitsalltag: „Jede Montag bekomme ich eine Liste mit den Anzeigen der zurückliegenden Woche und prüfe dann, wer für das Programm infrage kommt.“

Sara Glanz vom Sozialdienst Katholischer Männer erklärt, wie es dann weitergeht: „Wir nehmen Kontakt mit der Familie auf. Die Teilnahme an dem Projekt ist freiwillig.“ In der Clearingphase, die sechs bis acht Wochen dauert, wird überlegt, wie das Kind oder der Jugendliche wieder in die Spur gebracht werden kann. Es gibt eine Zielvereinbarung und eine Betreuungsphase. Möglicherweise kann es sinnvoll sein, die Betroffenen in einen Verein zu vermitteln, um ihm vor Augen zu führen, welche Fähigkeiten er hat. Endlos ist die Geduld des Teams allerdings nicht: „Wir können sagen, es macht keinen Sinn mehr. Und auch nach Verhängung einer längeren Haftstrafe können wir nicht weiter tätig sein“, sagt Klug.

Sie hob die gute Zusammenarbeit mit dem Kaarster Verein „Rückenwind“ hervor. Nach einem Jahr muss nicht automatisch Schluss sein. Eine Verlängerung um sechs Monate ist möglich, aber mit Vollendung des 18. Lebensjahres ist dann Schluss. Erstaunlich: Nicht nur die straffällig gewordenen Kinder und Jugendlichen, sondern mitunter auch ihre Eltern sehen hin und wieder nicht ein, welche Chance „Kurve kriegen“ bedeutet.