Kaarst: Jugendliche auf den Spuren von „Bohemian Rhapsody“

Film-Analyse in Kaarst : Jugendliche auf den Spuren von „Bohemian Rhapsody“

Zuerst war noch ein Raunen im Albert-Einstein-Forum zu hören, dann wurde es komplett still. Freddie Mercury ist wieder lebendig. Rockt das Wembley-Stadion, singt das, was er fühlt. Sein musikalisches Genie, gepaart mit Sensibilität und Unberechenbarkeit, war eine Herausforderung für andere und für die Gruppe „Queen“.

Seine Zuneigung zur Lebensliebe Mary Austin, seine Liebe zu Männern – diese Geschichte erzählt der Film „Bohemian Rhapsody“, der jetzt in einer Sondervorstellung von Jugendlichen der Freizeiteinrichtung „Die Insel“ aufmerksam verfolgt wurde. Die psychosoziale Beratungsstelle der Stadt Kaarst, der ökumenische Arbeitskreis Asyl, der Rotary-Club Kaarst und die Aidshilfe in Düsseldorf hatten als Kooperationspartner zusammengewirkt.

Dass der Film die Kids sofort schwer beeindruckte, machte eine Frage während der Pause deutlich: „Ist das der echte Freddie Mercury?“, wollte jemand leicht verunsichert wissen. Nein, ist er nicht, aber Rami Malek verkörpert ihn so perfekt, dass seine Darstellung jüngst mit dem „Oscar“ gekrönt wurde.

Nach Ende des Films versammelten sich die zwischen zwölf und 19 Jahre alten Jugendlichen und ihre Betreuer auf der Bühne. Zuerst nahmen sie den Rhythmus von „We will rock you“ auf und ließen den Boden erzittern. Anschließend hockten sie sich im Kreis mit Schoolworker Frank Bufler von der Aids-Hilfe und diskutierten lebhaft. „Wie fandet ihr die Musik?“, wollte er als erstes wissen. „Geil, lustig, komisch“, lauteten die Antworten.

Wieso komisch? Eine derartige Musik gebe es heute nicht. Diese einzigartige Mischung war damals revolutionär, erklärte Frank Bufler. Aber um was es noch in diesem Film gehe? Um Aids, kam es wie aus der Pistole geschossen. Die Jugendlichen zeigten sich gut informiert: Sie wissen, dass ein Virus die Krankheit auslöst und dass sie durch Geschlechtsverkehr übertragen wird. Bufler machte ihnen deutlich, dass Aids in den 80er Jahren, als Freddie Mercury erkrankte, kaum bekannt war und wie weit die Forschung heute ist. Die Krankheit könne sehr eingeschränkt werden. Und sie ist kein Stigma mehr – Freddie Mercury sei auf dem Höhepunkt seiner Karriere gestorben und habe sich erst kurz vor seinem Tod outen können. Das ist ein weiterer wichtiger Aufhänger des Films: Wer liebt, liebt – ob und wen, sei nicht steuerbar und jede Konstellation sei richtig, betonte Frank Bufler. Die Kids fragten interessiert nach, ob man sich denn nicht durch Kontakt mit stark blutenden Wunden infizieren könne. Nur in absoluten Ausnahmefällen, beruhigte Bufler. Dass nur der Gebrauch von Kondomen vor Ansteckung schützt, war allen Jugendlichen klar – sie redeten offen und wieder bestens informiert über das Thema. Für Susanne Enkel von der psychosozialen Beratungsstelle auch ein Ergebnis der Arbeit der „Insel“. Zum Schluss erhielt jeder einen Beutel der Aids-Hilfe mit umfangreichen Infos zum Thema Sexualität. Auch zwei Kondome waren dabei – „die gebe ich meinen Eltern“, witzelt einer. Und dann stampften alle nochmal „We will rock you“: Eine neue Generation, die die unsterblich gewordenen Songs von „Queen“ entdeckt hat und ein bisschen vom Himmel spürt, den Freddie Mercury den Zuhörern zeigen wollte.