Kaarst: Johanniter-Stift verteilt 20 Zertifikate

Fortbildung abgeschlossen : Johanniter-Stift verteilt 20 Zertifikate

Mitarbeiter der Einrichtung haben eine Fortbildung für eine bessere Betreuung abgeschlossen.

Es war ein bisschen „Back to the roots“: Seit Oktober 2018 befassten sich zwanzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Johanniter-Stifts indirekt mit den Gründen ihrer Berufswahl. Sie durchliefen einen Aufbaukurs zum Thema Mäeutik (wörtlich: Hebammenkunst) und nahmen in einer kleinen Feierstunde ihre Zertifikate entgegen. Zukünftig werden sie als Ansprechpartner für ihre Kollegen zur Verfügung stehen.

Das Pflege- und Betreuungsmodell der Mäeutik bildet die Grundlage der Arbeit im Johanniterstift. Es zielt auf positive Kontakterlebnismomente mit den Bewohnern und das Einfühlen in deren Erlebniswelt – auch bei demenziell Veränderten – ab. In einer Reflexion stellten die Teilnehmer ihre durchgeführten Projekte vor. Elke Strauß, Trainerin für Mäeutik, erinnert sich: „Zu Beginn sahen die Teilnehmer die Präsentation als besondere Herausforderung an.“ Doch davon war nichts mehr zu spüren – alle berichteten von durchweg positiven Erfahrungen mit fruchtbarem Austausch sowohl mit Kollegen als auch mit Bewohnern.

Eine Gruppe hatte das Thema „Kriegskinder für Auszubildende“ gewählt. Die Azubis lernten, wie Erlebnisse, Traumata, Gewalt und Verfolgung der Kriegsgeneration sich auf die Pflege heute auswirken: Eine Bewohnerin versteckte beispielsweise ständig Dinge, da sie das aus Hungerzeiten kannte, als Kartoffeln gehortet wurden. Die Mitarbeiterinnen der Tagespflege organisierten einen Abend für Angehörige, denn sie sind im mäeutischen Konzept sehr wichtig. Bei Sitztanz, Gedächtnistraining und Musizieren erlebten die Angehörigen die Erfahrungsbereiche ihrer betreuten Familienmitglieder. „Sie konnten sich anschließend gut in die Welt der Tagesgäste hineinversetzen“, berichteten die Fachkräfte.

Michael Heine, seit Januar neuer Leiter des Johanniterstifts, hob die Kernthemen Einzug, Eingewöhnung, Wohnen/Leben und Abschied hervor. Eine große Rolle spielt der neue Beobachtungsbogen, in dem alle Betreuungspersonen Relevantes eintragen können – in doppelter Ausfertigung liegen Exemplare in Dienstzimmer und Küche bereit. Wichtig ist Heine auch die Lebensgeschichte jedes Bewohners, wozu ein neues Formular entwickelt wurde: „Wir wollen nicht erst bei der Beerdigung erfahren, wie schön das Leben war“, bekräftigte Pflegedienstleiterin Ursula Meurer. Die Fortbildung zur Mäeutik war noch von Heines Vorgängerin Rosel Band initiiert worden. Heine verspricht sich eine generelle Qualitätssteigerung, da nicht Zahlen, sondern Menschen im Vordergrund stehen. Er wünschte allen viel Erfolg beim „Training on the job“.

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