Analyse des VSR-Gewässerschutzes Jeder fünfte Brunnen überschreitet Nitrat-Grenzwert

Kaarst · Der VSR-Gewässerschutz hat am 9. August in Kaarst das Wasser von 110 privaten Brunnen aus dem Rhein-Kreis analysiert – mit teils erschreckenden Ergebnissen.

Heinz-Wilhelm Hülsmans hat das Trinkwasser analysiert.

Heinz-Wilhelm Hülsmans hat das Trinkwasser analysiert.

Foto: Bild darf für die redaktionelle Berichtserstattung kostenfrei in allen Medien verwendet werden. Von den abgebildeten Personen l/Anja Roth/VSR-Gewässerschutz e.

Milan Toups und Heinz-Wilhelm Hülsmans fanden bei den Untersuchungen 245 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Kleinenbroich. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Büttgen mit 128 Milligramm pro Liter (mg/l), in Driesch mit 75 mg/l und in Vorst mit 102 mg/l fest. Jeder fünfte Brunnenbesitzer erfuhr, dass der Nitratgrenzwert der Trinkwasserverordnung überschritten ist. Diese Belastung sollte nicht höher sein als 50 mg/l, wenn das Wasser im Notfall auch zum Trinken verwedet werden soll.

„Gerade für Familien mit Säuglingen und Kleinkindern ist es wichtig, dass das Wasser keine höhere Nitratbelastung als 50 mg/l aufweist“, erklärt Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz: „Wenn Babynahrung aus Wasser mit hohen Nitratkonzentrationen zubereitet wird, kann es bei Säuglingen zur Blausucht kommen. Dies ist eine Unterversorgung des Blutes mit Sauerstoff und kann für Kleinkinder lebensbedrohlich sein.“

Die Mitglieder der gemeinnützigen Organisation analysieren nicht nur das Brunnenwasser, sondern messen auch die regionalen landwirtschaftlichen Daten. So können Umweltschützer erkennen, welche landwirtschaftliche Nutzung zur Nitratbelastung beiträgt. Bei den Recherchen sei aufgefallen, dass dort, in denen viel Weizen angebaut wird, auch eine höhere Nitratbelastung vorliege.

Im Rhein-Kreis Neuss mache der Weizenanbau bereits 33 Prozent der Ackerflächen aus. Durch eine zusätzliche späte Düngung des Weizens werde ein besonders hoher Eiweißgehalt des Getreides erreicht – heutzutage immer noch ein Qualitätsmerkmal für besonders gute Backeigenschaften. Der Dünger werde häufig nicht mehr vollständig von den Pflanzen aufgenommen und die überschüssigen Nitrate werden dann ins Grundwasser ausgewaschen.

Der VSR-Gewässerschutz fordert, dass diese Nitratauswaschung von den Weizenfeldern vermieden werden muss. „Der Eiweißgehalt wird fälschlicherweise immer noch ausschließlich als Qualitätskriterium für die Verwendung als Backweizen angesehen. Das kritisieren bereits zahlreiche Wissenschaftler. Dabei ist schon lange bekannt, dass auch hervorragende Brote mit weniger Eiweiß gebacken werden können“, so Susanne Bareiß-Gülzow. Ein sehr hoher Anteil des angebauten Backweizens lande heutzutage in den Futtertrögen, weil er aufgrund zu niedriger Proteinwerte nicht diesen Qualitätsanforderungen entspreche. „Der hier angebaute Weizen sollte der Brotherstellung dienen und zur Ernährungssicherheit beitragen“, bemerkt Bareiß-Gülzow. Es sei fatal, dass sich weltweit der hohe Eiweißgehalt des Weizens etabliert habe.

Der VSR-Gewässerschutz fordert ein Umdenken des Handels: Die Anforderungen an Backweizen müssen umfangreicher bewertet werden – ein hoher Proteinwert ist nicht allein ausschlaggebend für die gute Backeigenschaft des Getreides. Es muss dringend verhindert werden, dass die Trinkwasservorräte durch den Weizenanbau weiterhin mit Nitraten belastet werden.

(NGZ)
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