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Kaarst: Irritation um „Heldentod“-Gedenktafel der Freiwilligen Feuerwehr Büttgen

Vor der neuen Wache in Büttgen : Irritation um „Heldentod“-Tafel der Feuerwehr

Die Gedenktafel vor der neuen Wache an der Driescher Straße stößt auf Kritik. Die Bürgermeisterin nimmt die Feuerwehr in Schutz.

Wer sie angefertigt hat? Unklar. Aus welchem Jahr sie stammt? Keine Information. Welches tragische Schicksal die beiden Feuerwehrmänner erleiden mussten, derer gedacht wird? Bislang nicht ermittelt!

Fest steht: Vor der neuen Wache der Freiwilligen Feuerwehr in Büttgen an der Driescher Straße befindet sich unweit des Haupteingangs eine auffällige Gedenktafel. Auf ihr wird der „Wehrmänner“ Heinrich Tappen und Johann Drexler gedacht, die im Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) in Frankreich ihr Leben ließen – sie starben den „Heldentod“ ist auf der Stein-Tafel zu lesen, für die die Feuerwehr in Eigenleistung ein eigenes Gerüst geschmiedet hat. Ein Erklärungsschild, das genaue Information zu den gefallenen Soldaten liefert und auch den umstrittenen Begriff „Heldentod“ einordnet, ist vor dem neuen – noch nicht fertig gestellten – Feuerwehrhaus nicht zu finden.

So sieht die neue Feuerwache in Büttgen aus. Foto: Simon Janßen

Und das stößt unter anderem Rolf Schnitzer sauer auf. „Eine solche Tafel ohne Erklärung aufzustellen, halte ich für schwierig. Zudem ist der Begriff ,Heldentod’ eine Verklärung des Soldatentums. Als Soldat zu sterben, ist nicht heldenhaft“, sagt der 55-Jährige, der seit zehn Jahren in Büttgen wohnt.

Derselben Meinung ist Wolfgang Reuter, Vorsitzender des Kulturausschusses in Kaarst. „Ich denke, Kriegerdenkmale sollte man grundsätzlich nicht mehr verwenden. Die Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gestorben sind, waren lediglich Opfer der damaligen Politik“, so der Sozialdemokrat, der den Begriff „Heldentod“ als „leicht überhöht“ bezeichnet. „Ein neutraler Begriff hätte mir besser gefallen“, sagt Reuter. Den Kulturausschuss habe die frisch aufgestellte Gedenktafel bislang nicht beschäftigt. „Aber bei der offiziellen Eröffnung der neuen Feuerwache werden wir darauf zu sprechen kommen“, kündigt der Ausschuss-Vorsitzende an.

Stadtsprecher Peter Böttner teilte am Donnerstag auf Nachfrage mit, dass mit der Gedenktafel nach vorliegenden Erkenntnissen seit etwa 70 Jahren am Büttgener Feuerwehrgerätehaus den beiden gefallenen Wehrleuten gedacht wird. Mal hing sie am Steigerturm, mal seitlich an der Hausfassade. „Die genaue Historie der Tafel ist nicht bekannt. Für den Löschzug Büttgen gehört die Gedenktafel zur eigenen Geschichte“, so Böttner. Der Tod der Feuerwehrleute im Ersten Weltkrieg sei Teil der Erinnerungskultur der Feuerwehr, die bei zahlreichen Veranstaltungen aller verstorbenen Kameraden gedenke.

„Eine politische Motivation ist im Aufstellen der Tafel am neuen Feuerwehrgerätehaus nicht zu erkennen“, betont Bürgermeisterin Ulrike Nienhaus. Die Verwendung des „Eisernen Kreuzes“, das über den Namen der beiden Feuerwehrleute zu sehen ist, und des Begriffs „Heldentod“ sei in den zeitlichen Kontext der zu vermutenden Entstehung der Tafel einzuordnen. „Damit reiht sich die Tafel in eine Vielzahl historischer Ehrenmale mit ähnlicher Symbolik ein, die heute selbstverständlich Teil der Erinnerungskultur sind“, so die Bürgermeisterin.

Der Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses soll rund 4,5 Millionen Euro gekostet haben, im Februar soll es offiziell eröffnet werden. Eine Sanierung des alten Gerätehauses (von 1955) lohnte sich nicht.