Jugendhilfeausschuss in Kaarst Inklusiver Segel-Verein endlich anerkannt

Kaarst · Der Verein „Inklusives Segeln für Alle“ ist unbefristet als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt worden, obwohl er nicht in Kaarst, sondern in Essen in See sticht. Was dahinter steckt.

Im vergangenen Jahr wurde das inklusive Segelboot auf dem Essener Baldeneysee getauft.

Im vergangenen Jahr wurde das inklusive Segelboot auf dem Essener Baldeneysee getauft.

Foto: ISFA

Es gibt einen Verein, der bereits existiert und der jetzt die unbefristete Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe bekommen hat: Es geht um den Verein „Inklusives Segeln für Alle e.V.“. Der Haken an der Sache: Gesegelt wird nicht auf dem Kaarster See, sondern in Essen auf dem Baldeneysee, dem größten der sechs Ruhrstauseen.

„Wäre es nicht besser, von der Stadt Essen Unterstützung einzufordern?“, wollte Axel Volker, Vorsitzender des Stadtsportverbandes, wissen. „Ich kann Ihre Frage nachvollziehen“, sagte die Jugendamtsleiterin Ute Schnur. Sie erklärte, dass es um die Prüfung geht, ob der Verein gemeinnützig tätig ist und der Vereinssitz sei nun mal Kaarst. „Wir haben immer den Umgang mit Kindern mit Behinderungen im Blick“, erklärte Schnur und erklärte dem Vorsitzenden des Vereins, Stephan Krings: „Ich finde es beneidenswert, was Sie für die Kinder tun.“ Dafür gab es im Jugendhilfeausschuss Applaus.

Stephan Krings, Vorsitzender des Vereins und von Beruf Sonderschullehrer, hatte dafür gesorgt, Kostenpflichtiger Inhalt dass Kinder im Rollstuhl auch in See stechen können und dazu ein barrierefreies Segelboot bauen lassen. Dabei mussten viele Hürden überwunden werden. Im Mittelpunkt stand die Frage der Finanzierung. Der Landschaftsverband Rheinland hatte 70 Prozent der Kosten getragen, der Rest wurde mit Spenden und mit Geld aus der Sparkassenstiftung finanziert, sodass im März 2022 der Auftrag zum Bau des Segelboots erteilt werden konnte.

Im Clubraum 3, wo der Jugendhilfeausschuss tagt, wurde jetzt ein kurzer Film gezeigt, der von der Aktuellen Stunde gedreht und im WDR-Fernsehen gezeigt worden war. Die Ausschussmitglieder sahen neben glücklichen Kindern auch Hermann van Veen, der das Projekt unterstützt. Das stattliche Segelboot bietet Platz für drei Rollstühle und fünf Begleitpersonen. „Ich hatte diese Idee schon 25 Jahre im Kopf“, verriet Stephan Krings. Und er erklärte, warum es der Baldeneysee sein musste und nicht der Kaarster See: „Dieses Boot ist für den Kaarster See nicht zugelassen.“ Alle Aktionen, so Krings, würden aber von Kaarst aus geplant und koordiniert. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu den Vereinen, die den Kaarster See nutzen“, gab er zu verstehen.

Der Verein „Inklusives Segeln für Alle e.V.“ hatte im März 2021 eine vorläufige Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe erhalten. Inzwischen konnten viele Aktionen angeboten werden, trotz Corona. „Unter anderem durften wir Menschen vom Kunstcafé Einblick auf unserem neuen, rollstuhlgerechten Inklusionsboot als Gäste begrüßen“, erklärte Krings. Wenn das Schiff nicht nach Kaarst kommt, müssen die Kaarster eben nach Essen fahren.

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