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Kaarst: Immobilienökonom schlägt Alarm

Preise in Kaarst : Immobilienmakler schlägt Alarm

Die Immobilienpreise in Kaarst sind erschreckend hoch. Junge Familien können sich kaum mehr Eigentum leisten. Immobilienökonom Elias Rayani macht dafür unseriöse Makler verantwortlich. Gleichzeitig fordert er mehr Bauland.

Die Immobilienpreise in Kaarst steigen immer weiter an. Mittlerweile liegt der Kaufpreis für einen Quadratmeter Wohnfläche teilweise bei unglaublichen 6000 Euro. Doch die Nachfrage nach Eigentum in Kaarst ist ungebremst. „Wir haben seit Anfang des Jahres rund 3000 Anfragen erhalten. Das ist die höchste Zahl seit Firmengründung in den ersten Wochen des Jahres“, sagt Elias Rayani von der Firma Rayani Immobilien. Zu den Suchanfragen gehören allerdings auch Mietwohnungen und -häuser. Zum Vergleich: Durchschnittlich erhält Rayani pro Jahr 7000 Anfragen. Der geprüfte Immobilienökonom und Immobilienfachwirt schlägt wegen der hohen Nachfrage und den üppigen Preisen Alarm.

Oftmals wird die aktuelle Zinslage dafür verantwortlich gemacht, dass die Immobilienpreise in den letzten Jahren regelrecht explodiert sind. „Es sind aber noch weitaus mehr Faktoren zu berücksichtigen“, sagt Elias Rayani, der mit wissenschaftlichen Analysen und Bewertungen vertraut ist. Rayani hat die eigenen und globale Daten ausgewertet und kommt zu dem Ergebnis, dass der Faktor Zins und der dadurch steigende Baukostenindex vielen Menschen zwar bewusst sei. Jedoch fehlt es gerade in Kaarst an Bauland, um Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Deshalb schlägt Rayani einen Arbeitskreis vor, in dem die Frage gestellt werden soll, was sich die Menschen leisten können und was nicht.

Ein weiterer Grund für die horrenden Immobilienpreise sind nach Ansicht Rayanis Makler aus anderen Regionen, die auf den Kaarster Markt drängen und Franchise-Unternehmer, die mit irreführendem Marketing den Preis künstlich in die Höhe treiben und den Kunden – in dem Fall die Eigentümer – unrealistische Preise versprechen. Auf den einschlägigen Immobilienportalen sind die Preise von Kaarster Maklern im Vergleich zu den Kollegen aus Düsseldorf und Umgebung besser, erklärt Rayani. „Die Nähe zu Düsseldorf rechtfertigt nicht den Düsseldorfer Preis“, sagt er. Auf dem Kaarster Markt hat sich zudem ein Bieterverfahren eingeschlichen. Das heißt, Eigentümer oder Makler setzen einen Mindestpreis fest und die Käufer können sich überbieten. „Das führt dazu, dass die Käufer schneller viel Geld draufzahlen“, sagt Rayani: „Die meisten stufen das Bieterverfahren als unseriös ein“, sagt Rayani: „Es geht um eine Entscheidung fürs Leben.“ Im Dezember hatte ein anderer Kaarster Bauträger das Verfahren ebenfalls scharf kritisiert.

Viele Eigentümer, die ihre Immobilie verkaufen und sich verkleinern wollen, schauen selbstständig im Internet und legen durch Vergleiche einen Kaufpreis für ihr Objekt fest, ohne einen qualifizierten Dienstleister beauftragt zu haben. Das führt nicht nur zu hohen Verkaufspreisen, sondern auch dazu, dass die Immobilie lange Zeit oder erst gar nicht verkauft wird. „Es gibt gesetzliche Rahmenbedingungen, um eine Immobilie zu bewerten“, sagt Rayani: „Wenn man das in Kaarst richtig macht, kann man mit bis zu 100 Anfragen pro Tag rechnen“, sagt er.

Für junge Familien ist es in Kaarst schier unmöglich, ein Eigenheim zu kaufen. Oftmals ziehen sie dann in andere Städte, wo die Preise moderater sind. Auch junge Erwachsene, die in Kaarst groß geworden sind, trifft dieses Schicksal. Hier nimmt Rayani die Politik in die Pflicht. „Wir Kaarster benötigen dringend mehr Bauland, sonst werden die Preise weiter steigen und die Mittelschicht in Kaarst wegbrechen“, sagt er.