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Kaarst: Hörbehinderter Künstler Necati Özen zeichnet ersten eigenen Comic

Präsentation auf Leipziger Buchmesse : Hörbehinderter Kaarster zeichnet eigenen Comic

„Gerettet“ – so heißt der erste eigene Comic von Necati Özen. Der junge Mann hat eine Hörbehinderung - seit seinem sechsten Jahr drückt er sich in bunten Bildern aus. Ein Werk wurde nun auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt.

Necati Özen hält strahlend seinen ersten eigenen Comic „Gerettet“ in den Händen – mit zwanzig Seiten Umfang und in vierfarbigem Druck. Umgesetzt hat er die gleichnamige Geschichte in einfacher Sprache von Andrea Lauer. Die Autorin mit geistiger Behinderung gewann mit ihrem Werk im September 2018 den Literaturwettbewerb „Die Kunst der Einfachheit“ in Cottbus.

Nach Cottbus war auch Necati Özen gereist – der junge Mann hat eine Hörbehinderung und drückt sich seit seinem sechsten Lebensjahr in bunten Bildern mit förmlich explodierenden Farben und charakterstarken Gesichtern aus. In Cottbus war ihm etwas langweilig – und so bannte er einfach ein paar Gesichter aufs Papier. Das fiel Mitarbeitern der Lebenshilfe Berlin dermaßen positiv auf, dass sie ihm den Auftrag zur zeichnerischen Visualisierung der Geschichte „Gerettet“ gaben. „Dazu musste er zunächst einen 80-seitigen Text lesen“, erinnert sich Brigitte Albrecht, ehrenamtliche Geschäftsführerin des Kunstcafés Einblick, die das Talent des jungen Künstlers seit Jahren fördert. Im Café sind auch viele seiner Bilder zu sehen. Da Özen über eine eingeschränkte Lesekompetenz verfügt, war das Erschließen der Geschichte der 30-jährigen Anja, die sich aus ihrem fremd bestimmten Leben löst, nicht so einfach. Doch dann gab es keine Halten mehr – in intensiver dreimonatiger Arbeit malte Özen die Comics zunächst in schwarz-weiß, dann in bunt. „Meine Comics gehen ein bisschen in die Manga-Richtung“, erklärt der 31-jährige.

Und dann der (vorläufige) Höhepunkt im Leben von Necati Özen: Er stellte sein Werk am Stand der Lebenshilfe Berlin auf der Leipziger Buchmesse gemeinsam mit Andrea Lauer vor. Begleitet wurde er auf der Reise von Marion Kirch und ihrem Sohn Matthias, der das Down-Syndrom hat. Die Präsentation auf der Buchmesse war ein gewaltiges Erlebnis für ihn: „Es war schön und aufregend“, sagt er. Die positiven Reaktionen der Besucher, das Interesse an seiner Person und die erfahrene Wertschätzung rührten ihn zu Tränen, erzählt Brigitte Albrecht. Die Comicbilder überzeugen durch liebevolle Details, die zu einer Entdeckungsreise bei jedem Bild einladen: seien es die realistischen Küchenutensilien oder das Proviant in Anjas Rucksack. In einem Monat kann das von der „Aktion Mensch“ unterstützte Heft im Café Einblick und in diversen Buchhandlungen zu einem Preis von fünfzehn Euro erworben werden. Und es soll nicht die einzige Zusammenarbeit von Andrea Lauer und Necati Özen bleiben. Denn der letzte Satz des Comics „Wir sehen uns in Paris“ schreit förmlich nach einer Fortsetzung – und die ist schon in Planung.