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Kaarst: Heiligabend-Andachten im Freien dürfen stattfinden

Nachbarschafts-Gottesdienste an Heiligabend in Kaarst : Andachten im Freien dürfen stattfinden

Bis Donnerstag standen die für den Heiligabend geplanten Andachten im Freien auf der Kippe, dann hat sich das Kaarster Presbyterium auch dafür ausgesprochen. Die Auflagen an die Gastgeber wurden noch einmal verschärft.

Lange wurde diskutiert, nun ist es fix: Die ökumenische Aktion „Kirche kommt zu Dir“ am Nachmittag des 24. Dezember kann stattfinden. Die endgültige Entscheidung traf das Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Kaarst in einer Sitzung am Donnerstag. Zwar gab es auch Stimmen, die gegen die Andachten im Freien waren, doch schlussendlich haben das Hygienekonzept und der Fakt, dass auch das Ordnungsamt der Aktion zugestimmt hat, die meisten überzeugt. Nun dürfen die „Gastgeber“ also mit ihren Nachbarn oder Freunden gemeinsam einen Gottesdienst feiern.

Bis zum Anmeldeschluss haben sich laut Dieter Böttcher, Organisator der Aktion und gleichzeitig Kantor der katholischen Kirchengemeinde, 84 Gastgeber im gesamten Stadtgebiet gefunden, die mitmachen. 13 haben ihre geplante Andacht abgesagt – entweder, weil sich zwischenzeitlich etwas anderes ergeben hat oder weil die Risiken, dass sich bei der Andacht Gäste mit dem Coronavirus infizieren, zu hoch waren. „Wir nehmen keine neuen Anmeldungen mehr an, wir müssen dem Ordnungsamt schließlich noch die Adressen kommunizieren“, erklärt Dieter Böttcher.

In einer Mitteilung an alle übriggebliebenen Gastgeber wurden noch einmal die neuesten Vorgaben zum Ablauf mitgeteilt. Zuallererst, betont Böttcher, halten sich die beiden Kirchengemeinden in Kaarst an die Vorgaben, die von oben kommen. Mit „oben“ meint er den Bund, das Land NRW und die Kirche. Außerdem ist jede Form eines anschließenden geselligen Beisammenseins untersagt, die Teilnehmer müssen während der gesamten Andacht einen Mund-Nasen-Schutz tragen und das gemeinsame Singen ist verboten. „Das ist sicher ein großes Opfer, Singen ist ein zentraler Teil des Gottesdienstes und von Weihnachten“, sagt Böttcher. Allerdings gebe es viele kreative Ideen, wie trotzdem Musik bei der Andacht gespielt werden kann. Sei es mit einem Solisten oder Instrumental-Musik. Außerdem appellieren die Organisatoren an die Gastgeber, auf die Einhaltung der Abstände zu achten. Zudem sollen die Gottesdienste nicht länger als 15 Minuten dauern. „Wir wissen, dass es im Moment ein sensibles Thema ist“, sagt Böttcher: „Wir wollen den Menschen aber die Chance geben, dass in der Nachbarschaft etwas stattfindet.“

Sicher kann Böttcher auch diejenigen verstehen, die die Aktion verurteilen, wenn gleichzeitig Restaurants geschlossen sind. „Die Religionsfreiheit ist im Grundgesetz verankert. Deshalb gehen bei der Kirche noch Dinge, die woanders nicht mehr gehen“, sagt Böttcher. Sowohl das Erzbistum Köln als auch die evangelische Landeskirche haben die Hygienekonzepte abgesegnet. „Diejenigen, die ihre Anmeldung zurückgezogen haben, machen das aus schwerem Herzen. Ich kann aber jeden Rückzug verstehen“, sagt Böttcher. Dennoch käme die Idee bei den Menschen gut an, und die Hoffnung der Organisatoren ist, dass sie im Kopf bleibt und sich die Menschen im nächsten Jahr daran erinnern.

Laut Pfarrerin Annette Begemann versuche die evangelische Kirche derzeit, die Größe der Aktion ein wenig herunterzufahren. „Wir möchten es aber durchführen“, sagt sie. Die Präsenzgottesdienste in den Kirchen finden nach sorgfältigen Überlegungen des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde Kaarst ebenfalls statt – abgesehen von Angeboten für Familien und Kinder. Allerdings sind nach vorheriger Anmeldung maximal 60 bis 120 Personen pro Gottesdienst zugelassen. Der Grundgesang entfällt, auch am Platz gilt die Maskenpflicht. Die evangelische Kirche im Rheinland hatte keine ausdrückliche Empfehlung ausgesprochen – weder für noch gegen Präsenzgottesdienste. Die Entscheidung wurde den örtlichen Presbyterien überlassen. Dies entspreche der evangelischen Tradition und dem presbyterial-synodalen Aufbau der evangelischen Kirche im Rheinland.