Kaarst: Handwerker-Arche gegen den Fachkräftemangel – Jacques Tilly hat mitgebaut

Rosenmontag in Büttgen : Eine Arche voller Handwerker

Es wird der Hingucker beim Rosenmontagszug in Büttgen: Die selbst gebaute Arche von Sascha Hermans-Thun. Damit will der Tischlermeister auf den Fachkräftemangel im Handwerk hinweisen. Jacques Tilly half bei der Umsetzung.

Noah überlebte mit seiner Familie die Sintflut in einer selbst gebauten Arche: Keiner ging unter. Dieser Gedanke stand Pate, als sich Kaarster Handwerker 2017 in Vorbereitung des Stadtfestes Kaarst total überlegten, was man generell anbieten und wie man auf den Fachkräftemangel aufmerksam machen kann: „Wenn das so weitergeht, gibt es das Handwerk bald nicht mehr“, habe damals ein Kollege gesagt, erzählt Tischlermeister Sascha Hermans-Thun. Denn das Image des Handwerks sei immer Thema beim Stadtfest gewesen. Plötzlich fiel der Name Noah mit seiner Arche – wenn er nicht unterging, kann damit nicht auch das Handwerk sinnbildlich gerettet werden? Eine passende Vorstellung.

So entstand der Plan, ein Schiff zu bauen, das am besten als Karnevalswagen beim Rosenmontagszug in Büttgen mitfahren könnte, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Und wer kennt sich da besser aus als Jacques Tilly, der König aller Wagenbauer aus Düsseldorf. Nach reichlich netzwerken klingelte kurz vor Weihnachten 2017 das Handy von Sascha Hermans-Thun und Tilly meldete sich tatsächlich. Er weihte den Tischlermeister und seine Handwerkskollegen aus sieben Gewerken in die Kunst des Wagenbaus ein: Die Unterkonstruktion besteht aus sehr viel Holz, für die Figuren kommen Kaninchendraht und Papier zum Einsatz, das mit historischem Knochenleim fixiert wird. Jacques Tilly schuf den Entwurf des Wagens mit überlebensgroßen Figuren, die die sieben Gewerke vertreten. Deren Intention ist glasklar rheinisch aufgemalt: „Ejal ob helau oder alaaf, dat Handwerk süppt auch in Zukunft net aaf“ ist unmissverständlich zu lesen. Zudem passt eine Arche perfekt zum diesjährigen Zugmotto „Trotz stürmischer See auf großer Fahrt“.

2018 wurde mit dem Bau der Arche in der Halle eines Bauern in Kaarst begonnen und bei „Kaarst total“ 2018 und 2019 öffentlich fortgeführt. Zwischendurch wurde fleißig gewerkelt – alle Kollegen unter Federführung von Sascha Hermans-Thun halfen eifrig mit. So manches Wochenende und viele freien Tage gingen dabei drauf, wobei der Spaß aber immer dabei war. Nun wird der große Wagen – sieben Meter lang und viereinhalb Meter hoch – seine Feuertaufe beim Rosenmontagszug erleben und alle Blicke auf sich ziehen, hofft Sascha Hermans-Thun. Denn so wolle man auf das Handwerk und seine Siuation aufmerksam machen. Die Branche leide unter einem extremen Mangel an Auszubildenden und mehr Bürokratie erschwere den Arbeitsalltag. Eine zunehmende Akademisierung habe dem Handwerksberuf ein schlechteres Image verpasst. Sehr zu Unrecht, denn: „Ein Handwerker ist keinen Tag arbeitslos“, erklärt Sascha Hermans-Thun. Und sagt ganz drastisch: „So lange man einen Schrank, ein Haus oder ein Brötchen nicht per App downloaden oder selbst zuhause im 3-D-Drucker ausdrucken kann, so lang wird es das deutsche Handwerk noch geben.“

Während des Zuges wird die Arche von einer Fußgruppe von 106 Personen der Gewerke, darunter 36 Kinder, begleitet – alle natürlich erkennbar als Handwerker verkleidet. Vermutlich bleibt die Handwerker-Arche nach dem Einsatz in Büttgen erhalten und kann noch einmal in einem anderen Karnevalsumzug mitfahren.