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Kaarst: Früherer Kaplan schreibt sein erstes Buch

Alexander Krylov : Früherer Kaarster Kaplan schreibt literarisches Werk

Sein Lebensweg ist schon ungewöhnlich genug, jetzt kommt noch ein weiterer Baustein hinzu: Der von 2014 bis 2017 in Kaarst tätige Kaplan Alexander Krylov hat sein erstes literarisches Werk geschrieben

„Wie ich zum Mann wurde“ beschreibt sein Leben mit Kommunisten, Atheisten und anderen „netten Menschen“, so der Untertitel. Denn Krylov kam 1969 als Sohn einer deutschen Mutter und eines russischen Vaters in der damaligen Sowjetunion zur Welt. Durch seine Großmutter und seine Mutter fand er schon früh Zugang zum katholischen Glauben, der aber tabu bleiben musste. Eine katholische Kirche sah er erst mit zwanzig Jahren zum ersten Mal von innen. Doch bevor er Priester wurde, durchlief er eine wissenschaftliche Karriere. Er studierte Geschichte, sozial-ökonomische Wissenschaft, Psychologie, Philosophie und Theologie. Die Promotion in Sozialphilosophie und Psychoanalyse legte er an der Universität Moskau ab. Seit 2006 war er Professor für Kommunikationsmanagement in Moskau und Berlin und leitete auch seit 2008 das dort ansässige West-Ost-Institut.

Doch der Glaube ließ ihn nie los – 2011 setzte er seine Berufung in die Tat um und wurde Priester. Aktuell ist er seit 1. September Kaplan in Langenfeld und Monheim. Der Gedanke, ein „richtiges“ Buch zu schreiben, schlummerte schon länger in ihm. Unmittelbarer Anlass waren dann der Anstoß eines Journalisten und die immer radikaleren politischen Auseinandersetzungen. Sein Buch ist aber keine Autobiographie, sondern beschreibt das Leben der Menschen in einer Diktatur mit Hilfe seiner eigenen Lebenserfahrungen in Kindheit und Jugend „aus der Tiefe einer Familie“ heraus, betont Krylov.

Dabei ist ihm ein erfrischender, zwischen Tragik und Komik schwankender Ton gelungen: Viele kleine Geschichten zeigen die absurde Ideologie des Kommunismus, die der kleine Alexander nicht versteht – wie etwa im Kapitel „Die grüne Patrouille“: Als Grundschüler „schützte“ Krylov gemeinsam mit einem Freund die Umwelt, indem sie einen in einem Blumenbeet liegenden Hund „verhafteten“ und der Miliz übergeben wollten. Schließlich hatte der Hund die für die Bienen wichtigen Blumen zerstört.

Aber auch der versteckt gelebte Glaube spielt eine Rolle: „Ich will ein Zeugnis des Glaubens geben und gleichzeitig zum Nachdenken über den eigenen anregen“, erklärt Krylov. Den Verkaufserlös aus den Büchern wird er komplett an Renovabis zur Unterstützung der Christen in Osteuropa und an die russische Caritas spenden.