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Kaarst: Familienkunde auf dem Tuppenhof

Ahnenforscher wieder da : Familienkunde auf dem Tuppenhof lockt nur wenig Interessierte an

Der Düsseldorfer Verein für Familienkunde hatte viele Treffen Corona-bedingt ausfallen lassen müssen. Von der Möglichkeit, im Tuppenhof zusammenzukommen, machten nur Wenige Gebrauch.

Wie packend die Familienforschung sein kann, davon erzählte Petra Schmitz aus Mettmann. „Ich komme seit Jahren auf den Tuppenhof“, erklärte die 66-Jährige. Mit den Recherchen der Vorfahren ihres Mannes ist sie bis 1730 genommen. Im Kaarster Stadtarchiv sei sie fündig geworden.

Die Schwiegermutter sei in Büttgen geboren worden. Längst nicht alle Details, die im Laufe der Nachforschungen ans Licht kamen, sind spektakulär: „Die Vorfahren meines Mannes hatten Berufe wie Tagelöhner, Ackerer und Pferdeknechte. Der Urgroßvater meines Mannes hatte in Büttgen ein Fahrradgeschäft.“ Ein Zweig der Familie hat seinen Unterhalt als Holzschuhmacher verdient. „Ein Familienmitglied ist noch in Heinsberg als Orthopädieschuhmacher tätig – solche Erkenntnisse finde ich spannend“, erklärte Petra Schmitz.

Vor zwei Jahren hatte sie DNA-Tests machen lassen: „In den USA ist sowas ganz populär – die Tests hatte ich von amerikanischen Freunden geschenkt bekommen“, erklärte die 66-Jährige. Die Cousine mütterlicherseits sei in die USA ausgewandert und dank der DNA-Tests konnten einige ihrer Enkel ausfindig gemacht werden. Erstaunlich, dass es noch so viele genetische Übereinstimmungen gibt.

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Familienforscher und Tuppenhof-Urgestein Reinhold Mohr forscht über den jüdischen Arzt Winfried Selbiger, der von 1906 bis 1962 gelebt hat. „Von 1932 bis Ende 1933 hatte er eine Praxis in Büttgen, und zwar an der damaligen Gladbacherstraße, dem heutigen Rathausplatz.“ Der Vater hatte eine Apotheke in Oberkassel erworben. Im Rahmen der Judenverfolgung war sein Sohn drei Tage in’s SS-Gefängnis in Neuss eingesperrt worden. Ihm wurde anschließend verboten, nach Büttgen zurückzukehren und seine Praxis wieder zu eröffnen.

Er wurde Missionsarzt im heutigen Tansania und britischer Staatsbürger. Mit britischen Pass war er 1938 noch einmal nach Deutschland gekommen, um seinen Vater zur Ausreise zu bewegen. Von 1934 bis 1954 praktizierte Winfried Selbiger in Tansania, 1954 kam er zurück nach Düsseldorf. Dann sollten ihm noch ganze acht Lebensjahre bleiben. „Dieser Arzt hatte keinen glatten Lebenslauf“, sagte Reinhold Mohr. Näheres wollte er nicht verraten.