Kaarst: Es war einmal der Bahnhof in Büttgen

Serie: Verlassene Orte: Es war einmal der Büttgener Bahnhof...

Das komplette Bauwerk mitsamt der Gaststätte wurde 1987 abgerissen - zugunsten der heutigen S-Bahn. Der Haltepunkt ist aber immer noch eine wichtige Verbindung in die ganze Region.

Wer von Büttgen aus mit der S-Bahn nach Düsseldorf oder Mönchengladbach fahren will, findet an der Michaelstraße eine Bahnstation vor, die sich kaum von anderen Haltepunkten der Deutschen Bahn unterscheidet: gepflasterter Bahnsteig, dunkelblaue Ortsschilder, Fahrplanauskunft und Sitzbänke. Und auch wenn die Optik unspektakulär anmutet, so spielte und spielt die Bahnstation eine wichtige Rolle in der Entwicklung Büttgens. "Die S-Bahn ist eine Lebensader", sagt auch Egon Vossen, der sich eingehend mit der Geschichte der Büttgener Bahngeschichte befasst und darüber auch ein Buch geschrieben hat. Für die Menschen dieser Stadt ist sie eine Möglichkeit, in 20 bis 25 Minuten in eine andere Stadt zu gelangen, ein Stück Lebensqualität. Doch die Bahnlinie wurde in ihren Anfängen vor allem von den Büttgener Landwirten alles andere als positiv gesehen.

Der Bahnhof um 1965 mit den Räumen der Gaststätte von Franz Bresser. Foto: Stadt Kaarst

"Die geplante Linie führte damals haarscharf am ehemaligen Ortsrand vorbei", weiß Vossen. Das schnitt die Bauern von ihren Feldern ab, weshalb sie sich weigerten, ihr Land zu verkaufen. "Am Ende mussten sie kleinbeigeben, es kam zu einem sogenannten Expropriationsverfahren, die Eigentümer wurden enteignet", sagt Vossen. Die meisten haben also verkauft und machten so den Weg frei für die Bahnstrecke.

Dass überhaupt erst die Idee zu dieser Linie aufkam, haben die Büttgener dem Textilhandel zu verdanken. Vossen: "Es war der Wunsch von Textilindustriellen, eine schnelle Verbindung zu Seehäfen zu bekommen, um an Rohbaumwolle zu kommen und natürlich auch, um Produkte schneller in alle Welt exportieren zu können." Neuss war damals eine florierende Textilstadt. Im Jahr 1844 wurde ein "Comité" gebildet, um für die Genehmigung einer Eisenbahnlinie zu werben. 1851 führte das zu einer Denkschrift, die von den Industriellen formuliert wurde. "Die Finanzierung sollte sichergestellt werden durch Aktien. "Dreieinviertel Millionen ,Thaler' kostete die Bahnlinie. Die Aktiengesellschaft hatte Aktien für je 200 Thaler ausgegeben."

Erster Zug fuhr 1852

Der erste Zug fuhr am 16. Dezember 1852 von Mönchengladbach nach Oberkassel. Doch zu dieser Zeit fuhr die Bahn noch durch Büttgen durch, ohne zu halten. Erst 15 Jahre später, am 1. August 1867, wurde in Büttgen eine Haltestelle eröffnet. "Mittlerweile hatten sich mehr Menschen in Büttgen angesiedelt, die mit der Bahn zu tun hatten. Büttgen wuchs rasant", sagt Vossen. So wurde auch 1920 eine Straße nur für Eisenbahner gebaut - die heutige Hardenbergstraße. Mit dem Bahnhof kam auch das Interesse der Landwirte und der Wirtschaft, weiß Vossen. 1868 wurde eine Art Wartehalle erbaut und 1871 ein Güterschuppen, damit Waren gelagert werden konnten.

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Was heute fast unvorstellbar ist: Es hat auch eine Bahnhofsgaststätte gegeben, die von 1921 bis 1971 von Franz Bresser geleitet wurde. "Bresser war wohl etwas muffig und wurde daher der ,Uerige' genannt, aber eine Seele von Mensch", weiß Vossen. Dieser Ort sei Treffpunkt für Handwerker und Landwirte gewesen. "Die Gaststätte wurde dann ersatzlos abgerissen." Der komplette Bahnhof wurde 1987 abgerissen - zugunsten der heutigen S-Bahn.

Einen Bahnhof samt Gaststätte braucht es in Büttgen mit der einen Linie nicht, die Linie selbst allerdings schon. Ist sie doch für alle Büttgener eine schnelle Verbindung nach Düsseldorf, was laut Vossen damals schon das zweite Argument für den Bau der Strecke war. Info Mehr über die Geschichte der Eisenbahn in Büttgen ist nachzulesen im Heft Nummer 25 der Heimatkundlichen Schriftenreihe der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft.

(NGZ)
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