Rathausgalerie in Kaarst Eine Ausstellung über die Friedhofskultur

Kaarst · Bis zum 15. Dezember ist in der Rathausgalerie eine Wanderausstellung rund um die Friedhofskultur zu sehen. Texte und Fotografien laden ein zum Schauen und Lesen.

Gemeinsam eröffneten Johannes Johnen, Anja Weingran, Harald Kuhn und Dagmar Treger (v.l.) die Ausstellug, die die Bedeutung des Friedhofs hervorhebt.

Gemeinsam eröffneten Johannes Johnen, Anja Weingran, Harald Kuhn und Dagmar Treger (v.l.) die Ausstellug, die die Bedeutung des Friedhofs hervorhebt.

Foto: Wolfgang Walter

Die Wanderausstellung „Immaterielles Erbe Friedhofskultur“ ist in Kaarst angekommen, genauer gesagt in der Rathausgalerie. Dort wurde sie von der stellvertretenden Bürgermeisterin Anja Weingran und der Kulturausschuss-Vorsitzenden Dagmar Treger eröffnet.

Texte und Fotografien laden ein zum Schauen und Lesen. Die Besucher der Ausstellung erfahren als Erstes, dass die Friedhofskultur in Deutschland seit März 2020 im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes enthalten ist. Dieses Erbe umfasst nicht die Friedhöfe an sich, sondern „die lebendigen Ausdrucksformen, die von menschlichem Wissen und Können getragen, von Generation zu Generation weitervermittelt und stetig neu geschaffen und verändert werden“. Zum einen geht es darum, wie wir mit unseren Toten umgehen. Zum anderen steht die Bedeutung der Friedhofskultur für unsere Gesellschaft im Fokus. Mit der Zeit wird aus Trauern Erinnern und Gedenken. Der Kulturraum Friedhof bietet dabei den würdigen Rahmen.

Friedhöfe werden zu Gärten der Erinnerung. Sie sind oft auch Skulpturenparks, man kann sie sogar als größter Skulpturenpark Deutschlands bezeichnen. Grabsteine spiegeln die sich stetig weiterentwickelnde Friedhofskultur wider. Außerdem zählen Friedhöfe , vor allem in den Ballungszentren, zu den wichtigen Grünflächen der Städte. Sie sind grüne Lungen ebenso wie Lüftungsschneisen. Zugleich bieten sie Pflanzenreichtum und für viele Tierarten einen Rückzugsraum. Friedhöfe sind außerdem „Grüner Treff für Senioren.“

Unsere Friedhofskultur, auch das wird durch die Ausstellung deutlich, überwindet trennende Grenzen der Religionsgemeinschaften. Die Soldatenfriedhöfe mit ihren vielen gleich gestalteten Kreuzen oder Grabmalen sind eine Mahnung zum Frieden. Keiner kennt sich so gut aus auf den Kaarster Friedhöfen wie Josef Johnen. Er war bei der Ausstellungseröffnung dabei und wird am kommenden Dienstag einen Vortrag in der Volkshochschule halten. Er sagte, dass der Kaarster Friedhof am Jungfernweg Ecke Giermesstraße schon 260 Jahre alt ist. Vor dieser Zeit seien die Verstorbenen im Schatten der Alten Romanischen Kirche beigesetzt worden. Der Kaarster Friedhof hat nur wenige große und monumentale Grabstätten. Was früher üblich war: Die Grabsteine wurden beidseitig genutzt. Bei den Frauen fehlte nie der Geburtsname. Herbert Kuhn aus Neuss ist Steinbildhauermeister und Botschafter für das immaterielle Erbe Friedhofskultur. Er machte auf Änderungen nach dem 2. Vatikanischen Konzil aufmerksam: „Zu christlichen Kreuzen kam eine fernöstliche Symbolik. Menschen aus anderen Ländern brachten ihre verschlüsselte Symbolik mit.“

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