Kaarst: Ein Hostel für Monteure und Pilger

Giemesstraße in Kaarst: Ein Hostel für Monteure und Pilger

An der Giemesstraße in Kaarst in der Nähe der Autobahn versteckt sich das einzige Hostel der Stadt. Gerade zu Messezeiten mieten sich hier Gäste aus aller Welt ein: Japaner, Chinesen, Türken, Inder oder Amerikaner.

Ihr Schlüsselbund ist ziemlich imposant. Trotzdem ist es kein Problem für Doris Jambor, zielsicher den richtigen für die Eingangstür des einzigen Kaarster Hostels herauszufischen. „So ein Bund ist mir viel lieber als viele einzelne Schlüssel“, sagt die 57-Jährige lachend und gibt den Blick in das Innere des ersten Kaarster Hostels frei, das sie gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang (66) führt. Seit 2014 können Gäste das Erdgeschoss des Hauses an der Giemesstraße 16 für unkomplizierte, kostengünstige und einfache Aufenthalte nutzen.

Darauf weist auch das Schild „Dormitorium“ hin. Das aus dem Lateinisch stammende Wort bezeichnet ursprünglich den Schlafsaal eines Klosters und findet sich in romanischen Sprachen wie im englischen „dormitory“, im französischen „dortoir“ oder im spanischen „dormitorio“ wieder. „Da wir viele internationale Gäste haben, wollten wir die Bezeichnung so einfach wie möglich halten“, erklärt Doris Jambor. Denn das Hostel wird von diversen Nationalitäten gut angenommen: „Wir wollten etwas anbieten, was es in Kaarst noch nicht gibt“, sagt sie. International sind auch die Schriftzüge wie „Gute Nacht“, „Buona notte“ oder „Good night“ an den Wänden der beiden Mehrbettzimmer. Angeboten werden ein Sechs-Bett- und ein Acht-Bett-Zimmer. „Letztens hatten wir durch eine Ärztemesse eine multikulturelle Belegung mit Indern, Japanern, Chinesen, Türken, Amerikanern und Engländern“, erinnert sich Doris Jambor. Da hieß es, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Was durch die von Doris Jambor verteilten Ohrstöpsel sicherlich einfacher wurde. Probleme gab es aber keine. Vermutlich trägt die Wohlfühlatmosphäre der gemütlichen Wohnküche zur Selbstverpflegung ebenso dazu bei sowie der großzügig gestaltete Badbereich mit separaten Duschen und die Tatsache, dass jeder Gast einen eigenen Spind bekommt. Und die von Doris Jambor überzeugend ausgestrahlte Herzlichkeit und Freundlichkeit tun ihr Übriges: „Man muss Menschen mögen, sonst geht so etwas nicht“, lautet die Devise der Hostelbesitzerin.

Das Hostel – das direkt an den Autobahnen 52 und 57 liegt – nutzen kleine Schulgruppen und Vereine, aber auch Monteure, Hochzeitsgäste und Pilger. Stammgäste sind inzwischen Messearbeiter, die während der „Boot“ die Schiffe betreuen. In der Küche findet sich eine „Grundausstattung“, wie Wolfgang Jambor sie nennt, an Kaffee, Tee und Toastbrot, außerdem wird täglich der Wasservorrat aufgefüllt. Als eiserne Reserve oder falls jemand nachts sehr hungrig anreist, bietet Doris Jambor selbst gekochte Eintöpfe mit Linsen, Erbsen, grünen Bohnen oder Graupensuppe an – selbstverständlich mit dicken Sauerländern – sprich Würstchen. Trotz aller Lockerheit gilt: „Ein Partyhostel sind wir nicht“, betont Wolfgang Jambor. Auch wenn der Innenhof zum geselligen Verweilen einlädt und auch zu Grillfesten genutzt wird, sind lautstarke Feierevents tabu. Nur Doris Jambor baut bei „Waschpartys“ die viele Bettwäsche ab und gibt bei Bedarf auch die Kleidung der Gäste mit in die Maschine. „Das mache ich gerne, gehört für mich zum Service“, sagt die ehemalige Kosmetikerin. Das Hostel ist ganzjährig geöffnet. Gibt es mal einen Leerstand, so reist das Ehepaar Jambor mit seinen Hunden ins deutsche Nachbarland Niederlande.

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