Kaarst: Die Rathaus-Sirene ist verstummt

Kaarst : Die Rathaus-Sirene ist verstummt

Zum letzten Mal hat am Freitag um 12 Uhr die Rathaus-Sirene in Kaarst und Büttgen geheult. Seit den 1960er Jahren waren diese immer zur selben Zeit zu hören, weil die Trommel regelmäßig bewegt werden musste.

Leben ist endlich – auch das des Probealarms in Kaarst: Am Freitag ertönte pünktlich um 12 Uhr mittags zum letzten Mal die Sirene auf dem Rathausdach. Thomas Hermanns, hauptamtlicher Gerätewart der Kaarster Feuerwehr, löste am PC den Alarm aus, beobachtet von Andreas Kalla. Der 41-jährige ist seit 2015 Chef der Feuerwehr, gebürtiger Kaarster und damit mit den 50 Jahre alten Sirenen und ihrem Alarm aufgewachsen: „Der Sirenenklang ist schon historisch und irgendwie ist es jetzt schade, dass er verschwindet“, meint Kalla und weiß von vielen Reaktionen Kaarster Bürger in den sozialen Medien, dass nun ein Stück Heimat verloren geht. Der Alarm gehörte einfach zum Freitag dazu.

Leben bedeutet Veränderung und so tritt ein neues Sirenenkonzept in Kraft. Die alten Sirenen, die den Warnton mittels Trommeln erzeugten, bedurften eines regelmäßigen Probealarms, der zukünftig wegfällt. Die veraltete Technik funktioniert bei wesentlich dichter Bebauung, intensiverem Schallschutz der Fenster und zunehmendem Autoverkehr schlecht. „Das Ganze war kein Warninstrument für den Katastrophenschutz mehr. Von daher ist der neue Stand der Technik sehr wichtig“, betont Kalla. Das Bewusstsein der Bevölkerung müsse wieder geschärft werden, wofür es die Sirenen überhaupt gebe. Ab Montag werden nun die neuen Sirenen an sieben Stationen flächendeckend im Stadtgebiet verteilt. Das nimmt zwei Monate in Anspruch – während dieser Zeit laufen die alten Sirenen noch parallel. Bei den neuen werden die Töne durch einen Lautsprecher plus elektronischem Verstärker erzeugt. „Sie sind sehr laut“, verspricht Andreas Kalla, der die neue Technik begrüßt.

Ein Bild aus dem Stadtarchiv zeigt die Sirene auf dem alten Rathaus an der Rathausstraße. Foto: Stadt Kaarst

Die Sirenen gehören zum Komplettpaket eines Warnsystems, das auch eine App für das Handy umfasst. Das Handy kann mal ausgeschaltet sein, die Sirenen dagegen nie: Sie sind stets zuverlässig, betont der Feuerwehrchef, und funktionieren auch bei Stromausfall. Die Bevölkerung werde umfassendes Informationsmaterial über die Bedeutung der Warntöne erhalten. Zukünftig wird ein Mal im Quartal ein Probealarm ausgelöst, der rechtzeitig bekannt gegeben wird. Rückmeldungen dazu sind ausdrücklich erwünscht – über soziale Medien, per Telefon oder den Mängelmelder der Stadt.

Bei Bedarf werden noch neue Sirenen installiert. Probealarm wird auch in Kaarst an den landesweiten Warntagen ausgelöst, über deren Zeitpunkte ebenfalls informiert wird. Beruhigend: Ein neuer PC in der Feuerwache gibt ständig Auskunft über den aktuellen Funktionsstatus der Sirenen – Störungen können so direkt erkannt werden.

Mehr von RP ONLINE